Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Arzt in Nideggen

Wir wissen, dass es in den Jahren 1740 bis 1770 in Nideggen drei Ärzte gegeben hat: Johannes Christoffel Siebold (aus Darmstadt) und Renerus Josephus Garrys (aus Köln) und Johann Wilhelm Hahn.

Sie nannten sich „chirurgus“, was aber keineswegs dem heutigen Begriff entsprach. Vielmehr waren es Wundärzte, die eine handwerkliche Ausbildung, etwa bei einem Bader (balbirer) absolviert haben mussten und einen „Lehrbrieff“ vorweisen konnten.

Sie versorgten die Unter- und Mittelschicht und waren spezialisiert auf Aderlass, der Versorgung äußerer Wunden, Abszesse, Verbrennungen, Knochenbrüche, Amputationen, Steinschneiden, Zahnbrechen etc.

Im Gegensatz dazu standen die „Medici“, also studierte, akademisch ausgebildete Ärzte, die für die Behandlung von inneren Erkrankungen zuständig waren. Diese beiden Berufsgruppen standen trotz des Bestehens von Zunftordnungen im stetigen Widerstreit und es bildeten sich Bezeichnungen wie: Quacksalber, Kurpfuscher und Scharlatan.

Wundärzte im Militärwesen wurden „Feldscher“ genannt.


Bild: Archiv

Trotz Bestellung durch den Stadtrat bezogen Wundärzte kein Gehalt von der Stadt und waren daher auf die (meist geringen) Gebühren durch die Patienten angewiesen und gehörten dadurch zu den ärmeren Teilen der Bevölkerung. Ausnahme war Joh. Siebold, der als Ratsherr und Bürgermeister über zusätzliche Einkünfte verfügte.

Etwas Geld war zu verdienen durch das Mischen von Wundermedizinen, die unter Ausnutzung des weit verbreiteten Aberglaubens zum Beispiel auf Jahrmärkten unter das Volk gebracht wurden.

So gab es Liebestränke, die unwiderstehlich machten, Pülverchen gegen den bösen Blick (auch nach Aufpreis gegen Hexen verwendbar), Unsterblichkeitsmittel (nur gegen Vorkasse), Glücks- und Reichtumsbringer (mit und ohne Garantie), Wurzelsud für reichen Kindersegen für Mann und Frau und Mittel zur Teufelsaustreibung (3-mal täglich ein Löffel).

Wir sehen daraus: So viel hat sich auch hier im Laufe der Jahrhunderte nicht geändert.

Margot Groß
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Forum Jülicher Geschichte


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