Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Das Festmachen

Heute erzähle ich die Geschichte vom „Festmachen“.

Als es noch keine Eisenbahnen gab, musste alles per Achse auf den damals schlechten Wegen, die manchmal knietiefe Fahrspuren hatten, befördert werden. Bild: Archiv

In Abenden erzählte man sich in jener Zeit viel vom Festmachen. Darunter verstand man das unerklärliche Stillstehen eines Gefährtes auf ebener Straße und nicht das Festfahren in Fahrspuren. Eines Tages blieb einem Abendener am Roßberg wie mit Zauberschlage das Pferdefuhrwerk auf ebenem Wege plötzlich stehen. Alle Versuche, die Tiere von der Stelle zu bewegen, waren vergeblich. Weder Fluchen noch Gebet halfen. Da fiel dem Fuhrmann ein rettender Gedanke ein. Er ergriff einen der Holzgriffe (Klappern genannt) – diese befanden sich in der damaligen Zeit an den Rädern, drei bis vier an der Seite, um durch Eingreifen in die Speichen der Räder die Schnelligkeit des Fahrens bergab zu hemmen – und schlug mit starker Hand in die Speichen eines Rades. Augenblicklich war der Zauber gelöst und die Tiere zogen ohne jede Mühe an.

Zu gleicher Zeit stürzte der missgünstige Nachbar des Fuhrmannes, der Urheber des bösen Fluches, der nicht weit davon hinter einer Hecke gelauert hatte, wie vom Donner gerührt ohnmächtig zu Boden.

Und die Moral von der Geschicht’: Bauernschläue bricht selbst faulsten Zauber!

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: mündliche Überlieferung


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