Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Das Mägdlein von Abenden

Heute erzähle ich eine Sage aus alten Zeiten.

Nicht weit von Abenden erhebt sich am Fuße der Rur ein wilder und hoher Felsen. An seinem steilen Rande blühen im Sommer Blümchen mancher Art. Aber sie stehen einsam in schwindelnder Höhe, denn niemand wagt es, sie dort oben zu suchen und zu pflücken.

Und doch hat einst ein Mägdlein sich getraut, jene Höhe zu erklimmen, um dort Blumen zu einem Strauße zu binden.


Foto: T. Broere

Es war am Pfingstfeste des Morgens früh, als die Jungfrau auf des Berges Höhe wandelte. Auf einmal drang der liebliche Klang der Sonntagsglocken von Sankt Martin an ihr Ohr, der alle zur Messe rief. Das Mägdlein war aber taub gegen den Ruf der Glocken und dachte bei sich: Hier oben ist’s heute so schön! Die Glocken mögen noch so einladend rufen, ich höre nicht auf sie und bete heute auch nicht! Es stand am jähen Felsenrande und brach Blume um Blume. Niemand war zu sehen nah oder fern. Plötzlich ertönte eine raue Stimme von oben: „Die Blumen, die sind mein!“ Als das Mägdlein bei diesen Worten zutiefst erschreckt aufschaute, glitt sein Fuß aus und taumelnd stürzte es in die schaurige Tiefe hinab. Höhnend erscholl es über ihm: „Die Blumen, die bleiben mein!“ Zerschmettert blieb es am Fuße des Berges liegen.

Und die Moral von der Geschicht: Trage ordentliches Schuhwerk auf Bergtouren.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Frei nach J. Schiffels (Abendgrauen)



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