Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V.





Das Ufo



Ende Februar las man in der nur in hellen Mondnächten erscheinenden Fachzeitschrift: „Ufopost“ einen wenig beachteten Artikel über eine seltsame Erscheinung bei Drove. Man hatte dort gegen Mitternacht grünliche Blitze vom Himmel schießen sehen, die sich in einem Feld kreuzten.

Ein Bauer, dem dieses Feld gehörte, berichtete der Polizei, er habe mitten im Feld ein schwarz in die Erde eingebranntes Kreuz entdeckt; 5 m hoch und 5 m breit. Er hielt es für einen schlechten Scherz. Bodenproben ergaben eine bis in eine Tiefe von 2 m reichende völlig verbrannte Erde. Vereinzelt gefundene Diamanten ließen den Schluss zu, dass an dieser Stelle Kohlenstoff unter hohem Druck bei Temperaturen über 1200 Grad das Entstehen dieser Steine bewirkt hatte.


Man stand vor einem Rätsel. Sofort meldeten sich Experten zu Wort: Russen hätten einen militärischen Versuch gemacht, Sekten prophezeiten den vor der Tür stehenden Weltuntergang; ein Pharmakonzern aus Leverkusen wurde verdächtigt, eine neue Art der Unkrautvernichtung erprobt zu haben oder Nordkorea habe seine Atomtests verlagert.

Schließlich trug ein angesehener Ufologe vor, er habe das Kreuz mit den Strahlen verbunden, deren Ursprung in der Verlängerung eindeutig in den Tiefen des Weltraumes zu suchen sei. Dies könne nur bedeuten, dass die Landung von Aliens unmittelbar bevorstünde. Weltweit wurden nun alle Astronomen zu verstärkter Wachsamkeit aufgefordert und die Besatzung der ISS richtete einen Schichtdienst ein.

Astrologen verstärkten die Ansicht einer bevorstehenden Landung, da Jungfrau und Wassermann sich die Waage hielten mit Aszendenz zum Skorpion im fünften Haus.

Als auch noch ein Kalb mit zwei Köpfen geboren wurde, war allen klar: Außerirdische bereiteten eine Kontaktaufnahme vor. Die Kirche schulte vorsorglich ihre in die Jahre gekommenen Exorzisten nach, um für alles gewappnet zu sein.

Auf dem unzweifelhaft als Landeplatz georteten Feld versammelten sich Mahn-wachen, Schilder und Spruchbänder mit der Aufschrift:

„Herzlich willkommen“ und “auch Außerirdische sind Menschen“ oder „Fürchtet Euch nicht“ und „Bete und arbeite“ wurden ausgerollt.

Die Zweigstelle Nordeifel des Ku-Klux-Klan-Clubs wies darauf hin, dass man dies schon ewig vorausgesagt habe, denn Schuld seien nur die Migranten, die stets für Unruhe sorgten. Ein findiger Bäcker verkaufte vor Ort Marsbrötchen und Saturnringe mit Schokoglasur. Die Bundesregierung bildete einen Krisenstab unter Neuernennung von drei Staatssekretären (Besoldungsgruppe B4) und das Verkehrsministerium erließ ein bußgeldbewehrtes ungenehmigtes Landeverbot für außerterrestrische Fahrzeuge ohne Abgasfilter.

Kurz und gut: Man war auf alles vorbereitet; jetzt konnten die Aliens landen!

Doch sie kamen nicht!



Foto, Zeichnungen: Groß








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