Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Das erste Auto in Nideggen

In den 1890er Jahren wurde im Ortsteil Brück eine Fabrik gebaut zur Herstellung von billigen Tuchen.

Die Rohstoffe bestanden aus Lumpen. Daher der Name dieser Fabrik: Lumpenfabrik.

Da die Zugstrecke noch nicht bis Heimbach durchging, wurden die Lumpen per Zug bis Kreuzau gebracht und von Kreuzau per Pferdegespann nach Nideggen Brück.

Dann aber schaffte sich der damalige Besitzer ein Lastauto an. Dieses Auto wurde noch vom Motor aus per Ketten angetrieben. Die Räder hatten keine Gummibereifung, es waren Eisenräder, die mit Stacheln bespickt waren. Dieser große Lastwagen brachte auch das fertige Material über Nideggen zur nächsten Bahnstation, nämlich Kreuzau.

Die Straße von Brück nach Nideggen ist bekanntlich besonders steil. Wenn wir zur Schule gingen, trafen wir diesen Lastwagen häufig an, da er in den Serpentinen gerne und häufig streikte. Wir freuten uns dann immer, wenn der Fahrer schimpfend um seine Maschine herumging und nach der Ursache der Panne suchte. Unser weiteres Gesprächsthema drehte sich anschließend um Motoren und Pferde.


Foto/Postkarte: Archiv HGVN

Bald erlebten wir auch den ersten Personenwagen, der ebenfalls Eigentum des Fabrikbesitzers war. Der Wagen war sehr sonderbar gebaut. Vorne saß der Chauffeur frei, hinten war so etwas wie ein Kühlschrank, darin der Motor.

Der Motor hatte zwei glühende Eisenstifte als Zündung. Der Wagen hatte ebenfalls die Eigenschaft, jedes Mal in der Steigung nach Nideggen zu streiken. Wir Jungen konnten unsere Schadenfreude nie verbergen und doch beneideten wir den Chauffeur, der mit seinem Wagen ohne Pferde über die Landstraße im schnellen Tempo fahren konnte.

Bald wurde der Besuch von Automobilen in Nideggen häufiger und wir gewöhnten uns langsam ab, hinter jedem Auto herzulaufen.



Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Paul Braun Nideggen....


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