Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Der Bürgermeister zu Nideggen

Mit Entstehung einer städtischen Verwaltung seit dem frühen 15. Jhdt. gibt es in Nideggen (erstmals für 1472 nachgewiesen) einen Stadtrat und damit auch einen Bürgermeister neben dem Vertreter des Landesherrn, dem Schultheiß oder Vogt.

Jeweils am 30. oder 31. Dezember jeden Jahres trat der Rat, bestehend aus den (meist fünf) Mitgliedern, den Schöffen (Beisitzern) und dem Schultheiß, zusammen, um einen Bürgermeister zu wählen oder zu bestätigen (erst ab 1773 sind auch Nideggener Bürger wahlberechtigt). Versammlungsort war das „ratzhuuß„.

Als Zeichen seines Amtes trug er die Stadtschlüssel, die feierlich bei Neu –oder Wiederwahl überreicht wurden, wonach er den Amtseid schwören musste. Sodann wurde er nach einem Gottesdienst der Bevölkerung vorgestellt. Man erwartete von ihm, dass er sich gegenüber dem Rat „erkenntlich“ zeigte.

Die Bürgermeisterkette, Bild:Archiv-HGVN

Welche Aufgaben hatte der Bürgermeister?

Wichtigste Aufgabe war die Führung der Stadtrechnung (chronologisch geführte Übersicht über Ein –und Ausgaben), sowie der Einzug von Steuern. Er hatte ferner die Privilegien der Stadt (die im Jahre 1313 von Graf Gerhard verliehen worden waren) zu verteidigen, die Beschlüsse des Rates auszuführen und Sorge dafür zu tragen, dass Bier, Wein (nach vorheriger ausgiebiger Verkostung), Brot, Butter, Fleisch und Käse zu den festgesetzten Preisen gehandelt wurden. Die Feuerstätten, Reparaturarbeiten am Wegenetz und den öffentlichen Gebäuden und deren Abrechnungen sowie der Nachtwächterdienst, das Schul -und Gesundheitswesen und die Viehhaltung waren zu überwachen. Als Vertreter der Stadt nahm er an Verhandlungen beim Landesherrn teil. Auch kümmerte er sich im Kriegsfalle um die Einquartierung von Soldaten.

Das in Nideggen ansässige Schöffengericht hingegen unterstand dem Schuldheiß.

Dem Bürgermeister zur Seite standen der Stadtschreiber (meist der Notar) sowie zwei Marktmeister.

Mit dem Amt war die Haltung des Stadtstieres und des Stadtebers in eigener Stallung verbunden. Diese dienten als Zuchttiere für die Bürger, die sich eigene nicht leisten konnten; nach Schlachtung wurde deren Fleisch an die Armen verteilt. Diese Aufgabe war nicht sehr beliebt und die dafür gezahlte „Aufwandsentschädigung“ war sehr gering.

Das Gehalt des Bürgermeisters belief sich zum Beispiel im Jahre 1774 auf 15 Reichsthaler und 36 Stüber. Das entspricht nach heutiger Kaufkraft etwa € 350. Da das nicht viel war, war er auf Nebeneinkünfte angewiesen, obwohl er von der Kopfsteuer befreit war, die jeder Bürger zu entrichten hatte, die z. B. auch in Abgabe von Naturalien, etwa einem halben Huhn, bestehen konnte.

Man wird wohl sagen können, dass das Amt des Bürgermeisters mehr oder weniger ein Ehrenamt war.

Margot Groß
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Forum Jülicher Geschichte


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