Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Der Nachtwächter von Nideggen

Heute erzähle ich etwas über das Nachtwächteramt in Nideggen.

Mein Name ist Adam Müller; mein Kollege und ich sind Nachtwächter zu Nideggen. Wir schreiben das Jahr Anno Domini 1749. Ich bin vom Rat der Stadt offiziell jeweils für ein Jahr bestellt und unterliege einer Dienstordnung, die die Aufgaben des Nachtwächters genau festlegt.

Da es keinerlei Straßenbeleuchtung außer dem Mond gibt (nur vor der Ewigen Lampe brennt für Boten ein Licht), muss ich zur Zeit der Dunkelheit bis in die Morgenfrühe die Stadt, die ca. 300 Einwohner hat, begehen.

Ich achte auf verdächtige Personen, Diebe, unverschlossene Türen und auf Brandgefahren (fast alle Häuser sind aus Holz) und kontrolliere die Stadttore. Auch die Überwachung der Wirtshäuser gehört dazu. Ich mache abwechselnd mit meinem Kollegen die „Ronde“ und verkünde stündlich die Zeit.


Foto:Archiv

Ausgestattet bin ich mit einem wollenen Kapuzenmantel gegen Kälte und Regen, einer Laterne, einem Horn, um Alarm zu blasen und als Zeichen meines Amtes mit einer Hellebarde. Das Horn muss ich auf dem Markt, an den Stadttoren und vor den Häusern der Ratsmitglieder blasen. Dies dient der Überwachung der Einhaltung meines Dienstes.

Ich habe das Recht, verdächtige Personen, die nachts unterwegs sind, anzuhalten, zu befragen und notfalls zu verhaften. Für meine Tätigkeit bekomme ich im Quartal 9 Reichsthaler und ein Paar Schuhe.

Meine Kollegen aus früherer Zeit waren weitaus geringer angesehen und befanden sich in Gesellschaft mit Henkern, Abdeckern und sollen auch mit dem Teufel, Hexen und Dämonen im Bunde gewesen sein. Gott sei Dank ist diese Zeit vorbei!

Wir singen beim Rundgang Lieder; zum Beispiel folgendes:

Hört, Ihr Leut’ und lasst Euch sagen,

unsere Glock’ hat …. geschlagen.

Bewacht das Feuer und das Licht,

dass unserer Stadt kein Schad’ geschieht.

Menschenwachen kann nichts nützen;

Gott muß wachen, Gott muß schützen;

Herr, durch Deine Güt’ und Macht.

Gib uns eine gute Nacht.

(Nachtwächterlied aus dem 18. Jhdt.)

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Ratsprotokolle Nideggen 1749


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