Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Der Schatz des Grafen (veröffentlicht im Rundblick 26.02.2016)

Wenn wir unterhalb der Burg Nideggen auf dem Rundgang spazieren gehen, finden wir auf halbem Wege den Eingang zu einem unterirdischen Verlies.

Was hat es damit auf sich? Auch hier findet sich im Sagenschatz eine Erklärung:

Vor langer, langer Zeit wohnte auf der Burg der mächtige Graf Wilhelm, der für seinen Geiz und seine Hartherzigkeit berüchtigt war. Für ihn mussten die Bewohner der Umgebung hart fronen und hohe Steuern zahlen, die unbarmherzig eingetrieben wurden. Selbst wenn die Bauern in Notzeiten hungerten, kannte der Graf kein Erbarmen. Er ließ das Brot eher verschimmeln, als den Armen davon etwas abzugeben.

Doch der Himmel sah das Unrecht und rächte sich schrecklich: In einer Nacht zog sich über der Burg ein schweres Unwetter zusammen. Unaufhörlich zuckten Blitze, furchtbar grollte der Donner. Nach einem grellen Blitz mit gewaltigem Donnerschlag brach ein Teil des Rittersaales zusammen und mit ihm verschwand der Graf mit seinem Gefolge und all seinen Schätzen im Erdboden.


Rittersaal Burg Nideggen, Foto: Archiv

Unten im Verlies liegen die Schätze noch heute in einer großen Kiste. Ein höllischer Hund mit glühenden Augen sitzt darauf und bewacht sie. Alle hundert Jahre verlässt der Hund seinen Platz. Wer den Zeitpunkt weiß und ein Sonntagskind ist, der kann den Schatz heben, aber nur, wenn er bei der Arbeit schweigt.

Eines Tages fand sich jemand, der mit einigen Helfern den Schatz heben wollte. Sie gruben im Schweiße ihres Angesichts und siehe, es gelang! Schon hob sich die Kiste aus der Erde, aber sie rutschte plötzlich zur Seite. Erschrocken schrie einer: „Jong, halt fass“! Im selben Augenblick gab es einen fürchterlichen Knall, als ob die Welt unterginge und sogleich saß der grausliche Hund wieder auf der Kiste und seine Augen glühten wie Feuer. So schnell sie konnten, rannten die Schatzgräber davon. Der Schock war ihnen so in die Knochen gefahren, dass sie tagelang nicht mehr sprechen konnten.


Foto: Jochen Groß

Seitdem hat niemand mehr einen Versuch gemacht, das Gold zu heben. Der Stollen, der zum Schatz führt, wurde mit einem eisernen Gitter versperrt.

Wenn man bei Sonnenuntergang zur Burg hoch schaut, sieht man manchmal die Schätze leuchten, die der Hund ans Licht bringt, um sich an den funkelnden Steinen und dem Glanz des Goldes zu erfreuen.

Margot Groß
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: D. Krämer






© Copyright