Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Der Schatz im Langen Maar

Wandert man über die Eisenstraße durch die Bade zum Klemensstock, so erblickt man gleich am Waldesrande, wo der Fahrweg nach Berg abzweigt inmitten einer Wiese eine schmale Wasserfläche, das "Lange Maar“. Im Sommer trocknet der Tümpel meistens aus, aber im nassen Herbst füllt er sich wieder und mag sich die Berger Jugend im Winter dort fröhlich dem Eissport hingeben. Früher war die Senkung viel tiefer, wo jetzt ein Kranz von stattlichen Apfelbäumen wächst, standen Kopfweiden in der Runde, deren lange Ruten man alle 5 bis 6 Jahre abschnitt und als Gabel- und Schaufelstiele gebrauchte.

Es mag wohl 130 Jahre her sein, der Feind war im Land, überall herrschte Unsicherheit und die Leute versteckten ihr Geld im Keller unterm Dach oder vergruben es in Feld und Garten. Mancher Topf mit altem Silber mag wohl noch im Erdboden verborgen sein und gelegentlich gehoben, vielleicht auch niemals gefunden werden.

Da wohnte in einem benachbarten Dorfe (Emken) ein Mann, der nicht wußte wohin er seine Reichstaler bringen sollte. Unters Strohdach? nein, wie leicht konnte das Haus abbrennen. Einen Keller besaß er nicht, draußen auf dem Acker konnte man ihn beobachten, oder die frisch gegrabene Erdscholle könnte zur Verräterin werden. So entschloß er sich, das Geld zum Rödelsberg (Ende Badewald) zu bringen, wo er einen Eichenschlag besaß und es dort unter einer knorrigen Wurzel zu verbergen.

Im Badewald - Foto: Heinz Bücker

Im Lederbeutel, der aus einem Stiefelschaft angefertigt war, trug er seinen Schatz in einer regnerischen Herbstnacht waldwärts. Doch es entfiel ihm der Mut, als er in die Höhe kam und der Wald schwarz und unheimlich herüber drohte. Da war ein Hohlweg, der geradezu ins Dunkel führte und beiderseits mit Strauchwerk überwuchert war. Den mied er und schlich übers Stoppelfeld zum Maar. Die Kopfweiden schüttelten den Regen aus den Blättern, sonst war alles still. Vorsichtig warf er noch einen scheuen Blick hinter einen Schlehenstrauch, denn die Sträucher haben Ohren und Augen, sagt man. Er war der einzigste Mensch am Orte. Einige Ruten der Kopfweiden hingen im Bogen herab und berührten mit ihrer Spitze fast die Wasserfläche. Da war ein neuer Entschluß gefaßt; eine lange Rute wurde herübergebogen und der Lederbeutel an den äußersten Zweigen befestigt. Dann entglitt die Rute der Hand, senkte sich tiefer als zuvor, der Beutel tauchte hinein in das schützende Naß. Gottlob, der Schatz war versteckt. Leichten Herzens schritt der Mann durch die schweigende Nacht wieder seinem Dorfe zu.

Foto: Heinz Bücker

Ein Winter war vergangen, das Korn stand in Ähren und die Berger schickten sich an, ihr Dorf für die Gottestracht (Fronleichnam) zu zieren. Der Wald mußte den Schmuck für die Straßen liefern. Ein junger Mann kam mit einem Bündel frischer Maien (Birken) am ausgetrockneten Maar vorbei und sah den schweren Beutel am schwanken Reise schaukeln. Wenige Schritte durch sumpfigen Boden und er hielt sie in der Hand, die 120 großen silbernen Reichstaler. Aufgeregt und verwirrt, die schmucken Birkenreiser vergessend, eilte er hinab nach Berg um seinem Vater, der noch am Webstuhl saß, den seltsamen Fund zu zeigen.

Die Neuigkeit machte schnell im Dorfe und in der Umgegend die Runde und aus den 120 Reichstalern wurden bald 1000 Reichstaler. Einer kannte die Zahl genau und so schnell wie diesmal ist er nie über den Breitel (Bergrücken zwischen Emken und Berg 301 mtr) gegen Berg geeilt. Frohen Herzens gab ihm der alte Leinweber den verborgenen Schatz zurück und nahm nur zögernd den dargebotenen Lohn.

Diese wahre Erzählung verdanken wir W. Küppers, Lehrer in Embken. Sie spielte sich um 1800 ab, also vor über 210 Jahren. W. Küppers hat diese vor über 80 Jahren aufgeschrieben.

Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

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