Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Der unselige Knecht

Vor langer, langer Zeit, als Graf Wilhelm auf Burg Nideggen Hof hielt und rauschende Feste gab, ging einer seiner Knechte, Matthes, im Wald unterhalb der Burg des nachts wildern; er hielt sich für ungerecht behandelt: Lebte doch der Hof in Saus und Braus, so hatte Matthes nur trocken Brot und schlechtes Bier.

So trieb er geraume Zeit im Wald sein Unwesen. Das erlegte Wild verkaufte er und vertrank das Geld, ohne auch nur einen Gedanken an sein armes Weib zu verschwenden.


Foto: Archiv

Eines Tages erreichte ihn im Wirtshaus die Nachricht, dass seine Frau im Sterben läge. Reumütig und mit aschfahlem Antlitz hastete er an ihr Bett …zu spät! Im Fieberwahn redete die Frau schreckliche Dinge und rief plötzlich mit markerschütternder Stimme: „Möge er immerdar im Wald als ewiger Jäger ruhelos herumirren, der Müßiggänger, Trunkenbold und Tunichtgut!“ Dies waren ihre letzten Worte, sie verstarb und von Stund an fand Matthes unter diesem Fluch keine ruhige Minute mehr.

Jede Nacht – besonders bei Vollmond – streift er im Wald umher. Um die Mitternacht begegnet er mitunter heimwärts wankenden Zechern, die sich im Ratskeller bei Glas und Spiel verspätet haben. Doch nimmer vergessen sie den todtraurigen Blick, mit welchem er sie anschaut und dann lautlos wie ein Schatten müde und kraftlos im Wald verschwindet. Keine mitleidige Seele hat ihn bisher erlöst- wie mag es einst enden?

Und die Moral von der Geschicht’ : Leute lasst euch sagen, kauft besser Wild, als es zu jagen.



Margot Groß
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Frei nach G. Laue






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