Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V.





Die Anhalterin



23 Uhr, tiefe Nacht, eine einsame Landstraße in der Nordeifel. Ein junger Autofahrer sieht am Rande eine junge, hübsche Anhalterin stehen. Er ist glücklich verheiratet und hat selber eine Tochter in diesem Alter, so überlegt er nicht lange und beschließt, sie mitzunehmen, damit ihr nichts passiert.

Das Mädchen steigt dankbar ein und nennt als Fahrtziel ein Dorf, das auf der Strecke unseres Fahrers liegt. Brav legt sie den Sicherheitsgurt an. Während der Fahrt erläutert ihr der Autofahrer die Gefahren des Trampens. Sie erwidert nichts darauf und schweigt, was ihn etwas verwundert.

So gegen 23.30 Uhr wird sie jedoch unruhig und fragt mehrmals, ob sie es denn auch bis Mitternacht bis zu ihrem Ziel schaffen würden. Durch den einsetzenden Regen meinte der Mann, könnte es doch ein bisschen später werden. Das Mädchen rutscht zappelig auf seinem Sitz herum und reibt sich nervös die Hände. Auf die Frage, ob es ihr denn kalt sei, nimmt sie dankbar die Jacke von der Rückbank und zieht sie über, schnallt sich auch wieder sorgfältig an. Sie aber bleibt unruhig und fragt ständig nach der Uhrzeit.

Kurz vor 24.00 Uhr steigen ihr die Tränen in die Augen und sie beginnt leise zu wimmern. Unser treuer Mann ist im Glauben, sie habe Angst vor ihren Eltern, weil sie zu spät komme und redet beruhigend auf sie ein. Er dreht sich zu ihr hin und muss zu seinem großen Schrecken feststellen, dass das Mädchen nicht mehr da ist. Der Gurt ist noch eingerastet, aber sie ist verschwunden.

Er fürchtet, sie sei vielleicht unbemerkt aus dem Auto gefallen, wendet und fährt ein Stück zurück, um sie zu suchen: Nichts! Keine Spur! Verzweifelt beschließt er nun, zu der von dem Mädchen angegebenen Adresse zu fahren. Dort angekommen, trifft er auf eine Gruppe von Menschen mit ernsten Gesichtern, die sich als die Familie des Mädchens herausstellt.

Nun erzählt er in kurzen Sätzen, was ihm passiert ist und wie unerklärlich dies für ihn sei. Mit Tränen in den Augen tritt der Vater auf ihn zu und sagt: „Wir haben schon auf dich gewartet. Unsere Tochter wurde vor vier Jahren von einem Unbekannten, in dessen Auto sie als Anhalterin gestiegen war, ermordet und jedes Jahr an ihrem Todestag wiederholt sich das traurige Spiel der Todesfahrt“.

Auf dem Friedhof fand man später seine Jacke.

Sie hing über ihrem Grabstein.



Bild/Foto: Groß



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