Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die Backstube von Nideggen

Wir befinden uns in der Mitte des 14. Jhdt. Die Stadtmauer mit ihren Wehrtürmen ist errichtet und umschließt die Häuser der etwa 400 Einwohner, die derzeit in Nideggen wohnen.

Häuser? Einfache Lehmhütten mit Holzbalken und Strohdach – extrem feuergefährlich – wie es immer wieder Großbrände gezeigt haben.

Was liegt näher, als die notwendige öffentliche Backstube in die Stadtmauer zu integrieren, wo Feuer keinen Schaden anrichten kann. Und so geschieht es: Ein solcher Raum mit Ofen, Abzugskamin und Wasserstelle wurde in den ersten Wehrturm neben dem Zülpicher Tor hineingemauert.


Foto: Jochen Groß

Die gut erhaltene Backstube misst ca. 6,50 X 2,70 m bei einer Höhe von ca. 2,80 m. Auch eine Schießscharte ist vorhanden. Unser Foto gibt die Ofenwand mit Kamin wider.

Die Backtage sind das gesellschaftliche Ereignis in einer solch kleinen Stadt; hier trifft sich alles für Tratsch und Klatsch, große und kleine Politik wird beredet, jedes Geschehen findet hier seine ausgiebige Erwähnung. Bisweilen wird auch zum Tanz aufgespielt mit Trommel, Drehleier und Sackpfeife.

Brot war das wichtigste Lebensmittel, das zur Verfügung stand, allerdings aus grob gemahlenem Mehl ohne vielfältige Geschmacksrichtungen – zunächst auch ohne Verwendung von Sauerteig. So mancher Zahn musste dran glauben, weil kleine Steine oder Sand sich aus dem Mahlvorgang nicht entfernen ließen. Das Angebot beschränkte sich auf helle Brote (Weizen – Roggenmehl) für die reichen Leute, während die ärmeren Schichten sich mit dunklem Brot (Schrot, Roggen – Hafermehl) begnügen mussten.


Foto: Jochen Groß

Der Ofen musste am Vortage des Backens angeheizt werden, die glühende Asche wurde dann nach hinten geschoben und wenn auf die heißen Steine gestreutes Mehl dunkel wurde, so hatte der Ofen die richtige Hitze zum Backen der „Rundlinge“. Verunreinigungen mussten in Kauf genommen werden.

Und so war das Backen in alten Zeiten nicht nur beschwerlich, sondern auch immer ein gesellschaftliches Ereignis.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: R. Klein


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