Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die Geschichte des Nideggener Rathauses

Marktplatz, Linde, Marktkreuz und Rathaus bilden in der Herzogstadt Nideggen ein historisches Ensemble wie man es nur noch in wenigen Städten antrifft. Der Vergangenheit unseres Rathauses wurde bis jetzt nur wenig Beachtung geschenkt, so dass ich an dieser Stelle darüber berichten möchte. Die Geschichte des Nideggener Rathauses lässt sich bis zum Spätmittelalter zurückverfolgen.

1472 wird das Gebäude zum ersten Mal in den städtischen Akten erwähnt. Schon damals stand das für die Stadt so wichtige Gebäude an der südöstlichen Seite des Marktplatzes. Das Rathaus war das Symbol der städtischen Selbstverwaltung und spiegelte den Stolz der Bürger auf ihre Stadt wider. Wann genau das mittelalterliche Rathaus in Nideggen erbaut wurde, kann heute nicht mehr ermittelt werden. Man kann aber voraussetzen, dass es mit der Entstehung des Stadtrates, er wird 1413 erstmalig erwähnt, bereits Räumlichkeiten gegeben haben muss, in denen die Ratsmitglieder sich trafen und wo eine Schreibstube sowie das Archiv der Stadt untergebracht waren.

Rathaus, Nideggen - Foto: Archiv

Der Gründungsbau bestand aus einer Fachwerkkonstruktion, der ein repräsentativer steinerner Giebel an der Zülpicher Straße vorgesetzt war. Eine hölzerne Treppe führte zu den Amtsräumen, die im ersten Stock lagen. Hier waren die „ratsstube“, ein „nebenzimmer“, das Archiv und ein Raum, wo die Nachtwächter sich aufhalten konnten, untergebracht. Zwei gotische Kreuzstockfenster flankierten den Eingang, über dem das Wappen des Landesherrn, der Jülicher Löwe, thronte. Zur Marktseite öffneten sich im Erdgeschoss Arkaden, die zum Aufstellen für Marktstände genutzt wurden. Man kann annehmen, dass dort auch die städtische Waage aufgestellt war.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die Bausubstanz der Fachwerkkonstruktion so schadhaft, dass sich der Stadtrat entschloss, sie niederzulegen und durch einen Neubau zu ersetzen. Lediglich der steinerne Giebel des Gründungsbaues sollte wiederverwendet werden.

1723 schloss die Stadt einen Kontrakt mit dem Maurermeister Klahr aus Leversbach und dem Zimmermeister Neißen aus Abenden über einen Neubau. Kalk und Dachschiefer bezog die Stadt vom „Kalckberg“ bei dem Dorf Berg; das Holz stammte aus dem Mausauel. Die Bürger Nideggens mussten das Baumaterial zur Baustelle transportieren. Der Uhrmachermeister Newmann aus Gladbach lieferte für den Dachreiter des Gebäudes eine neue Uhr. Nach den erhaltenen Archivalien beliefen sich die Baukosten auf mehr als 1.700 Gulden. 1726 waren die Bauarbeiten abgeschlossen.

Der Neubau verfügte allerdings nicht mehr über Arkaden im Erdgeschoss. Stattdessen wurde die Fassade geschlossen, mit Fenstern gegliedert und die so entstandenen Räumlichkeiten für die Nideggener Elementarschule und die Lehrerwohnung genutzt. Die Amtsräume befanden sich weiterhin im Obergeschoss, das nun durch eine steinerne Freitreppe erschlossen wurde.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das historische Rathaus zerstört und durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e. V.

Quelle: Dr. Johannes Schmitz


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