Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die Hexe zu Nideggen

Einst - vor 350 Jahren – wohnte in der Nähe von Nideggen ganz zurückgezogen eine alte Frau, die sich darauf verstand, aus Kräutern allerlei Tränke zuzubereiten, die den Menschen bei ihren Zipperlein helfen konnten .Sie war deswegen allseits beliebt und man nannte sie: Die alte Nauel.

Doch sie war etwas seltsam, nahm sie doch an den feierlichen Höhepunkten von Nideggen (Hubertusmesse, Martinszug und Wahl der Miss Nideggen) nie teil.

In einem Jahr gab es eine große Missernte, die Kühe wollten nicht mehr kalben, die Geburtenrate sank stark ab und es gab unerklärliche Sterbefälle. Der Rat der Stadt Nideggen trat zusammen, um die Ursache hierfür zu finden. Es meldete sich ein Ratsherr und berichtete, er habe von einem Freund erfahren, dass dessen Bekanntem erzählt worden sei, die alte Nauel sei bei Mondschein auf dem Friedhof gesehen worden , wie sie unverständliche Worte murmelte. Das war die Lösung! Hier war eindeutig Hexenspiel im Gange! („Besagung“) Man ließ schleunigst den zuständigen Kommissar für Hexenprozesse aus Jülich kommen, der auch eilends herbeieilte, da dieser für einen vollzogenen Hexenprozess mit der gesamten Habe der Verurteilten entlohnt wurde. Er hatte wie üblich das Buch: „Der Hexenhammer“ (malleus maleficarum) zur Prozessführung bei sich.


Foto:Archiv_HGVN

Das Weiblein wurde vorgeführt und peinlich befragt, ob sie mit dem Teufel bebuhlt habe. Sie aber leugnete hartnäckig auch unter der schrecklichsten Folter (Kitzeln der Fuß-sohlen mit einer Gänsefeder). Die Geduld des Hexenkommissars war zu ende und er ordnete ein Gottesurteil an: Die Beschuldigte wird mit einem Stein an den Füßen in einen See geworfen. Geht sie für immer unter, so war sie unschuldig. Bleibt sie dagegen an der Wasseroberfläche, so ist sie schuldig, denn das konnte nur mit Teufelshilfe geschehen.

Also wurde die Beschuldigte zum Rursee gebracht und hineingeworfen. Oh Wunder: Nauel schwamm an der Oberfläche, da Luftblasen in ihrer Kleidung sie am Untergang hinderten. (Der Ort des Geschehens heißt heute noch der Sage nach Schwammenauel). Damit war die Sache klar: Das Weib wurde unter der Gerichtslinde wegen Hexerei und Buhlschaft mit dem Teufel zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Der Großinquisitor verkündete diesen Spruch und fügte aber hinzu: „Du hast einen letzten Wunsch frei, den ich dir erfüllen werde“

Und die Alte antwortete listig: „Ich möchte das Abiturexamen nachmachen!“

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Volksmund


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