Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die Kanzel-Ley bei Nideggen

In einer Felsenhöhle unterhalb von Burg Nideggen verbrachte in alter Zeit ein frommer Eremit seine Tage mit Gebet und Bußübungen. An jedem Sonntag hielt er dem von nah und fern herbeiströmendem Volke eine erbauliche Predigt über Gottes Wort. Als Predigtstuhl diente ihm ein Felsblock, die Kanzel-Ley. Rings im Kreise standen die andächtig lauschenden Zuhörer.


Burg Nideggen 1830, Postkarte: Archiv

Da geschah es einmal, dass der Prediger eine halbe Stunde später zum gewohnten Gottesdienst kam. Zu seinem größten Erstaunen sah er auf seiner Felsenkanzel inmitten des zahlreich versammelten Volkes einen Kuttenträger, der in Gestalt und Gesichtszügen sein leibhaftiges Ebenbild war. Auch glaubte er seine eigene Stimme zu vernehmen.

„Das kann nur der Teufel sein!“ dachte der Klausner und hob sein Kreuz hoch empor vor des Predigers Gesicht. Der sprang mit einem gewaltigen Satze vom Predigtstuhl, entfernte sich eilenden Laufes mit flatternder Kutte, indem er den einen Fuß etwas nachzog und hinterließ einen leichten Schwefelgestank. Beim Kühlenbusch kam er an eine breite Schlucht. In seiner Hast unterschätzte er die Entfernung bis zum jenseitigen Rande und sprang, statt oben auf den Rasen unten auf ein Felsstück, wobei sich sein Pferdehuf tief in das Gestein drückte. Noch heute ist jene Stelle „Düwelstrett“ genannt, zu sehen.

Die geheimnisvolle Gestalt ward fürderhin nicht mehr gesehen.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Kiefer, Die Sagen des Rheinlandes....



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