Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die Post in Nideggen

Einen verantwortungsvollen Posten in Nideggen hatten der Landbriefträger und der Postreiter. Laut Einstellungsvertag mussten diese arbeitsam und zuverlässig sein. Sie durften keinen Alkohol im Dienst trinken. Eine weitere Bedingung war, dass beide reiten und vorzüglich das Post-Fuhrwerk fahren konnten. Großen Wert legte man auf anständiges Blasen des Posthorns. Dies war besonders wichtig, da der Postreiter durch lautes „Trara, trara, die Post ist da“, in Nideggen sein Eintreffen laut kundtat. Hierauf liefen die Bevölkerung sowie die Jugend zusammen, in der Hoffnung etwas Neues aus der fernen Gemeinde Kreuzau oder sogar aus Düren zu erfahren. Und mit Glück erhielt man ja selber einen Brief oder eine Postkarte.


Postkarte: Margot Groß, Archiv

Die Briefe und Pakete kamen von Düren per Eisenbahn bis zur damaligen Endstation Kreuzau. Der Postreiter brachte von hier per Fuhrwerk die Post nach Nideggen und weiter nach Schmidt. Im Winter, der in jener Zeit häufig bereits im Oktober begann, wurde das Pferdefuhrwerk gegen einen Pferdeschlitten getauscht. In strengen Wintern mit Starkschnee und Verwehungen klappte es allerdings auch mit dem Schlitten nicht mehr, und so musste nun per Pferd die Post weiter befördert werden.

Der Postbote war zu Fuß unterwegs und hatte abends meist über 30km zurückgelegt. Bei Abgabe eines Pakets wurde das so genannte Rollgeld in Höhe von ca. 5 Pfennig fällig. Nicht selten kam es vor, dass die Hausfrauen keinen Pfennig im Hause hatten, dann wurde mit Naturalien z.B. einem Ei bezahlt.

Zwischen Brück und Zerkall überquerte der Postbote die Rur mit einem Fährboot. Bei Hochwasser, das in jener Zeit häufig vorkam, da es noch keine Talsperre gab, war eine Überquerung nicht möglich. Für diesen Fall war ein Seil über die Rur gespannt, an dessen anderen Ende eine Glocke angebracht war. Nach heftigen Geläut kamen die Anwohner zum gegenüberliegen Rurufer, worauf der Briefträger die Briefe öffnete und den Inhalt den Anwesenden mit lauter Stimme vorlas.

Mit dem Alkohol hatte es so seine Bewandtnis. Es gab wohl kaum ein Haus, wo man ihm kein Schnäpschen einschenkte. Heute haben wie den Datenschutz, das Postgeheimnis und auch Alkoholverbot. So ändert sich eben alles im Laufe der Zeit.

Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Paul Braun


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