Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die Rache der Bauern

Heute schreibe ich eine Geschichte aus dem heutigen Ortsteil Rath, „Op der Köttenicher Mue“. Hier soll in alter Zeit ein Hof, ja sogar eine Burg gestanden haben, es gehen hier die Erinnerungen auseinander. Angelehnt nach einer Erzählung von Herrn Pohl aus Broich.

In dieser Zeit wohnte im Dorfe Rath ein gewaltsamer Burgbesitzer, der hatte viele Knappen (Knechte) und Pferde. Die Bauern hatten unter seiner Willkür maßlos zu leiden, da der Burgherr immer in der Erntezeit seine Knappen auf die Felder schickte, um das Heu auf seine Karren zu laden, ohne ihnen jemals dafür etwas zu zahlen. Fast alle vierzehn Tage schickte er die Knechte aus, die plünderten die Speicher der Landsleute, sackten das Korn ein, um Brot daraus zu backen. Den Bauern blieb kaum ein Korn für eigenes Brot. Es wurde auch das Vieh aus den Ställen und Weiden, von den hart gebeutelten Bauern, auf seinen Hof getrieben.


Antonius-Kapelle in Rath, Foto: Archiv

Jahrelang ertrugen die Landsleute stillschweigend ihr bitteres Los, bis dann endlich ihr lang erduldeter Grimm losbrach und für den Zwingherrn die Stunde der Vergeltung schlug. In einer dunklen Nacht kamen die Unterdrückten heimlich zusammen, sie führten Dreschflegel, Sensen, Äxte und Beile mit sich. In einer Doppelreihe spannten sie vorsichtig rings um die Burg „Seile und Drähte“. Danach erhoben sie unter Trommelschlag am Rinkengraben ein weithin vernehmbares Geschrei und Gejohle, um den Burgherren aus seiner Burg zu locken und ihr Plan gelang. Nichts ahnend bestieg er mit seinen Knappen voller Zorn die Rosse, um sich von dem Geschrei zu überzeugen, was dieses wohl bedeute, jagte er mit seinem Mannen den Berg hinunter. Kaum hatte er die Burg verlassen, stürzte er über die Seile, die ihm nachfolgenden Knappen stürzten über ihn. Die ergrimmten Bauern eilten sogleich herbei und machten alle nieder. Danach zogen sie in die Burg ein, hier zerstörten und wüteten so, dass kein Stein auf dem anderen blieb.

Die Burg (Hof) war seitdem verschwunden und die Bauern hatten ihren Frieden und Auskommen.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.



© Copyright