Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die Stadt ohne Wasser

Wir finden vor Ort ein mächtiges Buntsandsteingebirge, welches eine Wasserhaltung fast unmöglich macht. Daher war seit jeher die Wasserversorgung für die aufstrebende Stadt von großer Bedeutung.

Innerhalb der Stadtmauer befand sich kein einziger wasserführender Brunnen. Anno 1592 wurde an der Abenderstraße (Parkplatz) ein Brunnenhaus errichtet, da es hier eine Quelle gab, die auch später den Kurgarten mitversorgte.

Der wichtigste Wasserlieferant war der Heimersteiner Brunnen unterhalb der Burg- erstmalig erwähnt 1356. Der jeweilige Lehnsmann im Bewershof wachte über diesen Brunnen, der nur durch eine Pforte in der Stadtmauer zugänglich und zu festgesetzten Zeiten - meist zwischen 12.00 und 1.00 Uhr - der Bevölkerung zum Wasserholen in Eimern zur Verfügung stand.


Foto: Archiv HGVN

Bekannt ist auch eine Zisterne unterhalb der Stadtmauer in der Nähe des Zülpicher Tores. Es muss sich – besonders im Sommer - oftmals eine trübe Brühe darin befunden haben, da es sich um stehendes Oberflächenwasser handelte. Es mag nicht verwundern, dass damals die schrecklichsten Seuchen grassierten.

Der Brunnen auf dem Marktplatz geht zurück auf das Bemühen, in Zeiten des Wassermangels einen zusätzlichen Lieferanten zu erhalten. Man grub einen Schacht, der aber leider trocken blieb, so dass man das Loch zudeckte. Erst viel später besann man sich des angefangenen Baues. Bei Öffnung fand sich jedoch nur eine übel riechende, trübe Flüssigkeit, die sich als Abwasser aus dem Keller einer nahe gelegenen Brauerei herausstellte. Der Brauer wollte es sich einfach machen, musste aber jetzt für die Reinigung sorgen. Dieser Brunnen ist also kein „echter“.

Zu erwähnen sind noch einige verstreute so genannte Maare; hierbei muss es sich um mehr oder weniger große Tümpel gehandelt haben, die Wasser nur bei Niederschlag führten und sehr bald stark verschmutzt waren. Verantwortlich für die Reinigung und der Erhaltung des Wassersystems war der Rat der Stadt.


Foto/Postkarte: Archiv HGVN

Der Brunnen auf der Burg – ca. 90 Meter tief - diente nur zur Versorgung der Burgbewohner, obwohl die Nideggener Bürger zum sehr mühseligen Wasserschöpfen herangezogen wurden (es dauerte eine Viertelstunde, einen Eimer Wasser heraufzuziehen).

Schlecht bestellt war es auch mit der Feuerwehr (Eimerkette) auch angesichts der überwiegend mit Stroh gedeckten Häuser. So wurde Nideggen in seiner Geschichte mehrfach von verheerenden Bränden heimgesucht.

Man sieht also, dass eine funktionierende Wasserversorgung über Leib und Leben entscheiden kann.



Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: M. Aschenbroich, Geschichte der Stadt Nideggen....


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