Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die selige Christina von Stommeln

Am 6. November 2012 wiederholt sich der Todestag der seligen Christina von Stommeln zum 700sten mal.

In Nideggen wurden von etwa 1342 bis zum Jahre 1591 die Gebeine der Christina von Stommeln verehrt. Sie war eine frommen Frau, einer Mystikerin aus dem 13. Jahrhundert, die als erste Frau, soweit bekannt, als Stigmatisierte anzusehen ist. D.h. an ihrem Körper zeichneten sich die Wundmale Christi ab, die dieser bei seiner Kreuzigung erlitten hat. Dies ist ein außerordentlich seltenes Phänomen innerhalb der christlichen Kirche und es gibt vergleichsweise nur wenige Beispiele.

Christina stammte, wie bereits der Name ausweist, aus dem Dorf Stommeln westlich von Köln. Sie wuchs in ihrem Elternhaus in Stommeln, in armen Verhältnissen einer Bauernfamilie auf. Im Alter von dreizehn Jahren verließ sie ihre Eltern und blieb bis zu ihrem 17. Lebensjahr in einem Beginenkonvent in Köln. Diese Beginen waren jedoch keine Nonnen, sondern streng religiöse Menschen die sich den Armen, Kranken und Sterbenden annahmen.

Weil sie wegen Trance und Entrückungszuständen beim Betrachten von Bildern, der Leiden Christi, oft tagelang für ihre Mitschwestern nicht zugänglich war, wurde sie wieder nach Hause geschickt. Kurze Zeit später zog sie im Pfarrhof bei Pfarrer Johannes ein. Im Alter von 46 Jahren zog sie in eine Klause, wo sie zurückgezogen lebte und ihr geringes Einkommen durch Näharbeiten sicherte.

Dort starb sie am 6. November 1312 im Alter von 70 Jahren. Sie galt bereits zu Lebzeiten in der ländlichen Bevölkerung als eine heilige Frau.

Nach ihrem Tod 1312 wurde dort ein Stift, ein Zusammenschluss von Geistlichen errichtet, das sich wohl vor allem dem Kult der Christina nach Meinung des Volkes „eine Heilige“, widmete.

Auf Initiative des damaligen Jülicher Markgrafen Wilhelm von Jülich wurde 1342 dieses Stift, in Kooperation mit dem Erzbischof von Köln, der ein Bruder des Jülichers war, nach Nideggen verlegt. Er wollte damit seine Residenz Nideggen schmücken und hatte für dieses Stift eine neue Kirche auf dem Gelände des heutigen Christinenstiftes errichtet. Er wollte wohl auch die intellektuellen Kapazitäten der Stiftsherren für seine Verwaltung nutzen. Bei dieser Stiftskirche handelte es sich um eine dreischiffige Basilika, die erheblich größer war als unsere heutige Pfarrkirche. Auf Grund der tausend Pilger, die jährlich nach Nideggen kamen, bedeutete der Bau der Stiftskirche und die damit verbundene Heiligenverehrung, nicht nur eine Aufwertung der Stadt Nideggen, sondern war auch ein großer wirtschaftlicher Faktor.

Nachdem Nideggen im Krieg gegen Kaiser Karl V. wegen der Erbfolge in Geldern 1543 zerstört worden war, wurde das Stift in den neu projektierten Regierungssitz Jülich verlegt (1569). Dabei blieben die Gebeine der seligen Christina zunächst in Nideggen, weil sich im Zusammenhang mit den Folgen der Reformation und ihrer Ablehnung der Heiligenverehrung niemand mehr dafür interessierte, außer dem einfachen Volk, das weiter zu ihrer Verehrung nach Nideggen pilgerte. Erst nach dem Konzil von Trient wurde katholischerseits die Heiligenverehrung wieder aufgenommen. Das inzwischen in Jülich installierte Stift entsann sich seiner früheren Seligen, in einer Nacht- und Nebelaktion wurden ihre Gebeine 1591 nach Jülich entführt, wo sie bis zum heutigen Tage ruhen.

Da die Basilika nach dem Krieg 1543 nur noch eine Ruine war, bauten die Schwestern vom Minoritenorden, in den Jahren 1653 bis 1662 eine neue Kirche an der alten Stelle auf. In der Franzosenzeit wurde1802 dieses Kloster aufgelöst, die neue Kirche besteht ebenfalls nicht mehr.

Christina von Stommeln wurde 1908 selig gesprochen. Im Jahr 1909 kam eine Reliquie (Schlüsselbein) nach Nideggen zurück. Die Reliquie war zuerst in der Pfarrkirche untergebracht, später jedoch ins Christinenenstift überführt worden.

Die selige Christina wird, wenn auch auf niedrigerem Level, weiter in Nideggen, Stommeln und Jülich verehrt.

An die selige Christina erinnert noch ein Gedenkstein am Eingang des Kindergartens, der heute neben dem Cellitinnenkloster, einem Altenheim dem „Christinenstift“ liegt.

Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quellen: Prof. Dr. Günter Bers, Wikipedia, Foto - Archiv_HGVN


© Copyright