Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Ein geheimnisvoller Brunnen

Das Gericht der Burgherren in Nideggen durfte über Leben und Tod erkennen. Einst wurde ein Mann eines schweren Verbrechens angeklagt und zum Tode durch das Beil verurteilt.

Von einer großen Volksmenge begleitet, wurde er zur Richtstätte geführt. Dort angekommen sprach er zu den Richtern: „Ich bin unschuldig an dem Verbrechen, dessen ich angeklagt wurde. Das beweise ich damit, dass mein Kopf, wenn er vom Rumpf getrennt sein wird, sich zum Brunnen hin bewegen, in denselben springen und sein Wasser röten wird.’’

Figur Henker, Foto: H.-J. Groß

Man achtete nicht weiter auf diese Rede und vollzog sofort das Todesurteil. Kaum war das Haupt des Verurteilten gefallen, da hüpfte es zum Brunnen, sprang über die Umfassungsmauer in denselben hinein und färbte das Wasser blutig rot. Voll Schrecken und Entsetzen erkannte man, dass der Getötete die Wahrheit gesprochen hatte und mithin unschuldig war.

Es gab aber Stimmen, die behaupteten, das Wasser sei schon vorher rot gewesen und der Kopf sei zufällig in den Brunnen gefallen. Man traute sich jedenfalls nicht mehr, den Brunnen zu benutzen und er verfiel.

Und die Moral von der Geschicht: Erst schöpfen, dann köpfen!

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Frei nach J. Schiffels, Abendgrauen


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