Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Eine „Alte Vikarie“ in der Herzogstadt Nideggen

In meiner heutigen Erzählung, möchte ich mich eines alten, gut erhaltenen historischen Gebäudes widmen.

Es ist die ehemalige „Vikarie“, ein zweigeschossiges Bruchsteinhaus aus rotem Sandstein. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude mit Walmdach stammt aus dem Jahre 1760, was einen wesentlichen Bestandteil unserer Herzogstadt Nideggen darstellt. Eine Bruchsteinmauer, aus rotem Sandstein, schließt den Hof der alten Vikarie seitens der Bahnhofstraße ein.

Zwei aus dem 18. Jahrhundert stammende Steinplatten - profilierte Kämpfer - die auf beiden Pfeilern liegen, tragen den bedachten Torbogen, durch den man in den Innenhof gelangt. Hier ist, in einer Hauswand eingelassen, eine vergitterte Nische, in der sich die Figur des hl. Nepomuk befindet. Dieser hat den Finger auf die Lippen gelegt, um anzudeuten, dass er das Beichtgeheimnis nicht brechen wird.

Bis zur Zerstörung der Brücke 1944, - durch den Angriff der Amerikaner, - stand auch eine Figur des hl. Nepomuk, in Zweisamkeit mit einem ehemaligen Brückenzoll – Häuschen, auf der Brücke in Nideggen Brück. Die Brücke wurde wieder aufgebaut, doch die Figur des hl. Nepomuk nicht mehr aufgestellt.

Eine Darstellung des hl. Johannes von Nepomuk berichtet aus jener Zeit, als er Generalvikar des Erzbischofs von Prag und dort Domherr von St. Veit war. Weil er sein Beichtgeheimnis nicht brechen wollte, ließ ihn der König Wenzel foltern und in der Moldau ertränken. Von nun an war er auch der „Heilige“ der Brücken.

Wann und wie lange die ehemalige „Vikarie“ von Geistlichen bewohnt war, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, dass die Pfarrgeistlichkeit in Nideggen aus einem Oberpfarrer und einem Vikar als Helfer bestand. Über die Unterbringung der Vikare gibt es dagegen keine Aufzeichnungen. Von der priesterlichen Nutzung des Gebäudes zeugt heute noch das in einen Eckstein des Hauses gemeißelte christliche Symbol „IHS“ (=Jesus, Heiland und Retter)“.

Das restaurierte Bruchsteinhaus der „Alten Vikarie“ wird heute als Wohn- und Geschäftshaus genutzt und fügt sich harmonisch in die Reihe der Bürgerhäuser am Marktplatz ein.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e. V.

Alte Vikarie_Foto: Archiv

hl. Nepomuk_Foto: Archiv

Nachtrag: Bis zu seinem Wechsel 1952 nach Baasen, (Dahlem), Eifel, wohnte und wirkte Pfarrer Karl Junge in der „Alten Vikarie“! (Quelle: Verwandtschaft)


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