Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Eine dunkle Gestalt im Wald

Vor langer Zeit war der alte Förster des Grafen im Nideggener Wald unterwegs. Es war spät geworden und ein Gewitter zog am Himmel auf. Auch plagten ihn die Mücken und er beschloss, seine Pfeife anzuzünden, um die Plagegeister zu vertreiben. Gedacht, getan und bald schon hüllten ihn mächtige Tabakwolken ein. Ein erster Blitz erhellte die Dunkelheit und mit einem Male stand, wie aus dem Boden gewachsen, ein wildfremder Kerl vor ihm, der einen weiten, roten Mantel und eine dunkle Fellmütze trug und einen Klumpfuß hatte.

Wie der Förster in das feuerrote Gesicht mit den gelben Augen sah, wurde es ihm Angst und Bange und verstohlen griff er nach dem Schaft seiner Flinte, die er schussbereit über der Schulter trug. Und als ihn dann der Unhold fragte, was er denn tue, sagte er ganz seelenruhig: „Oh, nichts besonderes, ich rauche nur meinen Tabak!“ Da bat ihn die gruselige Gestalt: „Lass mich auch einen Zug aus deiner Pfeife tun!“


Bild: Archiv

Bereitwillig kam der Förster dieser Aufforderung nach, hielt ihm aber statt der Pfeife den Flintenlauf an den Mund und forderte ihn auf, tüchtig zu ziehen. Kaum tat der Fremde den ersten Zug, da griff der beherzte Förster blitzschnell zum Abzug und schoss dem Bösewicht in den weit geöffneten Rachen. Doch ruhig, als sei nichts geschehen, spuckte dieser die Kugel wieder aus und sagte: „Ei, zum Donner, du rauchst aber ein starkes Kraut!“ Und mit einem Schlage war der Böse verschwunden und hinterließ einen abscheulichen Schwefelgestank.

Da erkannte der Förster, was er schon geahnt hatte, dass er dem Teufel begegnet war. Er schlug das Kreuz über sich und ging eilends nach Hause.

Und die Moral von der Geschicht: Tabak ist des Teufels!

Margot Groß
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Forum Jülicher Geschichte


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