Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Fußmarsch von Berg vor Nideggen nach Berlin im Jahr 1842

Den 14.Oktober 1842 bin ich, Johann Cornely von Berg vor Nideggen abmarschiert, also auf Düren zu, und von Düren nach Niederzier, hier kamen wir zum ersten Mal ins Quartier. Ich kam hier zu einer Familie König. Von Niederzier marschierten wir nach Jülich, dort kamen wir in die Kaserne. So bekamen wir hier das erste Marschgeld, und zwar 3 Groschen und 8 Pfennige. Von hier ging einer von uns ab. Wir blieben in Jülich, ohne Verpflegung. So kam ich bei namens Bär ins Quartier. Es war an demselben Tag Königsgeburtstag, nämlich der 15. Oktober. Es war deshalb eine sehr große Pracht unter den Soldaten. Es donnerten die Kanonen und die Kasernen waren mit Triumphbogen geziert. Die Soldaten saufen und tanzten. Ich dachte schon, wenn das so zugeht, dann werde ich schon fertig werden. Abends wurde die Stadt beleuchtet.

Wir marschierten den 16. wieder von Jülich ab, bis nach Guberath, dort machten wir wieder Quartier und zwar unserer 15, bei einem Mann namens Wiedenfeld. Bei ihm waren wir sehr gut aufgenommen.

Wir marschierten den 17. von Guberath wieder bis Düsseldorf. Auf diesem Marsch kamen wir auch durch die Stadt Neuss. Ehe wir nach Düsseldorf kamen, marschierten wir über die Rheinbrücke. Dieselbe war 340 ganze oder Tritte lang. So waren wir in Düsseldorf. Es ist eine sehr schöne Stadt an Gebäuden. Hier habe ich auch das gegossene Pferd gesehen und dann den schönen Rhein mit den vielen Schiffen. Nach 27 Tagen ging’s mit 32 Mann weiter ins Quartier, bei einem Mann namens Rabe. Es war ein schlechtes, verfluchtes Quartier. Am 19. Oktober ging es von Düsseldorf weiter, es war an diesem Tage sehr schlechtes Wetter.

Die Begleitung, welche von Düren mitmarschiert war, wurde zurückgeschickt. Wir marschierten durch den Flecken Mettmann und durch Elberfeld bis nach Barmen. Mit 15 Mann hatten wir ein sehr gutes Quartier. Am folgenden Morgen ging es von Barmen über den Fluss Wolger nach Herdicke an der Ruhr und machten dort Quartier. Wir blieben dort eine Nacht. Die Leute dort konnten wir nur sehr schlecht verstehen. Es sind ja auch meistens Reformierte. Die Wohnungen waren meistens mit Steinplatten auf den Dächern belegt. Noch ist zu bemerken, daß in dieser Gegend die Karren und Wagen von Eseln gezogen werden. Dann ging es am 21. Oktober von Herdicke nach Unna. Dann war 1 Tag Ruhe. Da wurde auch Pumpernickelbrot gebacken, welche 2 Stunden im Ofen waren, ehe sie gar waren. Eines der Brote wog 30 - 40 Pfd. Ein Salzbergwerk war auch dort, welches ich besichtigt habe. Am 23. ging es von Unna bei stürmischem Wetter nach Hamm in Westfalen und blieben dort 1 Nacht. Dann am 26. Oktober ging es von Beckum nach Wiedenbrück, hier hatten wir 1Tag Ruhe.

Es ist zu bemerken, daß im Westfälischen und auch im Bergischen die Schafe Tag und Nacht im Felde bleiben. Nachts wurden sie in einen von Brettern gemachten Zaun getrieben. Den schob man jeden Tag weiter. Damit düngten sie den Boden. Der Schäfer blieb auch nachts bei seiner Herde. Er schlief dabei in einer Karre, die mit Stroh bedeckt war. Sie wurde ihm immer nachgefahren. Wir marschierten am 27. Oktober über Heiligenhoven in die Stadt Herford. Am anderen Tag wurden wir über die Wesel geschifft und kamen ins Dorf Hausbergen. In dieser Gegend sind sehr hohe Berge, welche mit dichtem Laubwald bestellt sind. Von Bergen ist es eine Gute Stunde bis in die Stadt Preußmünden. Dort hatte man den ehemaligen Erzbischof von Köln hingebracht. Er war immer unter Aufsicht. Sogar bei der hl. Messe wurde er bewacht. Wir dachten wir wären dort geblieben, aber am 31. ging es von Hausberg an Preußmünden vorbei. Da waren wir froh, daß wir aus dem Pumpernickel-Land heraus waren.

So kamen wir in das Kurfürstentum Hessen. In den Flecken Aldendorf nach Wiebrock eine Nacht ins Quartier. Es ist eine Gegend von Schönen Ländereien. Sonst ist dort nicht viel los. Die Häuser sind fast alle ohne Kamin. Der Rauch zieht durch die Tür ab. Die Leute sind fast alle lutherisch. Wir marschierten auf Allerheili(n)gen bei schlechtem Wetter weiter in das Königreich Hannover, und kamen in den Flecken Koppenbrück bei Hemmendorf eine Nacht ins Quartier. Wir kamen von Hildesheim in die Vorstadt von Moritzberg. Die Stadt hatte eine große Dom-Kirche, wo der Hahn und die Türme alles aus echten Goldplatten bedeckt ist. Es ist noch zu bemerken, daß dort 2 Altäre übereinander stehen, einer steht in der Erde, es wird auch dort die Messe gelesen. Wir marschierten von Hildesheim nach Großlaffendin, bis nach Wolfenbüttel ins Quartier. Die Stadt liegt im Herzogtum Braunschweig.

Aus dem Braunschweigerland kamen wir wieder in das Preußische Land, in das Dorf Dieresheim, wo Quartier gemacht wurde. Am 5.November fing es an zu schneien und zu frieren. Es ist vom 6. auf dem 7. in der Nähe von Dieresheim ein Gutshof durch Feuer vernichtet worden. Es sind 8000 Stück Schafe, 200 Schweine, sowie auch das andere Vieh verbrannt.

Von Dieresheim ging es nach Schwanbeck über Hausersleben, durch Knoppenstadt und über Westerneigel, Edgersleben ins Quartier, für eine Nacht. Am 10. November von Edgersleben nach Großottersleben und Kleinottersleben, bis nach Alfenstadt ins Quartier. Es ist hier eine sehr gute Landgegend mit Zuckerfabriken. So marschierten wir am 12. von Alfenstadt ab nach Magdeburg. Es ist dort eine schöne Festungsstadt. Auch eine Dom-Kirche ist dort. Es fließt die Elbe an Magdeburg vorbei. Sie wird von vielen Schiffen befahren. Wir kamen über eine große Brücke, welche 45-50 Bogen hatte. Wir kamen in die Stadtburg, nicht bedeutend. Die Kirche hat zwei Türme, wo ein Haus zwischen stand. Am 13. ging es wieder von der Burg ab und kamen in das Städtchen Genthin, bis nach Roßdorf durch die Stadt Pflaum, dann über die Hügel nach Brandenburg ins Quartier. Brandenburg ist eine schöne Stadt. Brandenburg ist nach zwei Städten benannt, eine Neu- und eine Altstadt. Am Dom steht der große Roland in Stein ausgehauen. Er ist 6 Ellen lang und hat ein paar Augen wie Kappesköpp, der Kopf wie einen großen Kochtopf und die Beine wie Balken, Füße wie eine Steintreppe.

Wir marschierten am 16. wieder nach Brandenburg ab, über Großkreuz bis nach Föhen ins Quartier. Die Gegend lauter Sand und Tannen. Föhen liegt am großen Wasser, das zum Schiffe fahren benutzt wird. Am 17. ging es von Föhen nach Potsdam, welches eine schöne Stadt ist. Am Morgen fuhren wir mit der Bahn von Potsdam nach Berlin, wo wir gegen 10 Uhr ankamen. Nach 2 Tagen Ruhe wurden wir im Zeughaus aufgeteilt. Ich kam dann zur Garde Kürassier. Berlin ist eine große und schöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Dieses alles was in dieser Marschroute bemerkt ist, habe die durchwandert und gesehen. - Johann Cornely in Berlin -

Heimkehr nach Berg (Nideggen)

Ich fuhr mit der Eisenbahn von Berlin nach Potsdam, von da bis Derwitz wo Quartier gemacht wurde. Von da ging es nach Brandenburg. Es ging dann von Gentin bis nach Burg ins Quartier. Von Burg bis Magdeburg sind es drei und eine halbe Meile. Am 7. Kroppenstadt bis Grünigen zum Kloster Grünigen bis nach Oterwick ins Quartier. Wir fuhren von Homburg bis Wolfenbüttel mit der Eisenbahn, von Wolfenbüttel nach Hildesheim. Dann nach Alfeld an der Leine. Dort sind sehr hohe Berge. Von Alfeld nach Eschershausen, welches im Herzogtum Braunschweig liegt. Dann von Eschershausen nach Höxster, welches im Preußischen liegt. Bis zum 20. Ruhetag. Von Höxster nach Brakel und Driburg nach Paderborn. Am 25. von Paderborn nach Soest, am 26. nach Werl, dann Ruhetag. Am 27. und 28. von Werl nach Unna über Hagen nach Elberfeld, von da nach Düsseldorf mit der Eisenbahn. Von Düsseldorf ging es mit dem Dampfschiff bis Köln, Dann von Köln nach Berg, in das gelobte Land Berg. Alles für 13 Taler und 15 Pfennige.

Johann Cornely geb.: 01.12.1821 in Berg, gest.: 15.04.1909 in Berg.

Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.




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