Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Geldkiste

Heute möchte ich noch die Geschichte einer Geldkiste erzählen, die ich ja bereits in meiner Erzählung „Thuirer Kreuzche“ erwähnt habe.

Vor langer Zeit wohnte in Berg ein armer Seilspinner, dieser verdiente sich mit seinem Handwerk, nur das nackte Überleben. Der Hunger war sein ständiger Gast und notdürftig konnte er sich, seine Frau und seine 7 Kinder ernähren.

Schon des Öfteren hatte er darüber nachgedacht, wie er mit seinem Nachbarn gemeinschaftlich die versunkene Geldkiste, die ja mit der Burg vor vielen Jahren unterging, zu heben. Der Eigennutz hielt ihn aber immer wieder zurück, musste er nicht falls das Unternehmen glückte, mit dem Nachbarn teilen?

So wollte er es erstmals mit seiner recht gesprächigen Frau Liesbeth versuchen. Diese musste ihm jedoch vorher hoch und heilig versprechen, kein Wort zu reden, da bei der Hebung eines Schatzes nicht gesprochen werden durfte. Die Frau versprach ihm auch feierlich kein Wort zu sagen, „ihre Lippen blieben versiegelt“, beteuerte sie. So zog er dann eines Abends mit seiner Liesbeth, mit Hacke, Schaufel und einem Seil, zum Muscheling.


Umgebung Nideggen, Foto: Ulrich Laube

Glücklicherweise lag der Hund nicht auf der versunkenen Stätte, der schon über Jahre seine Geldkiste bewachte. So gab er sich mit seiner Frau ans graben, immer tiefer, tiefer und tiefer. Endlich stießen sie auf etwas „Hartes“, das einen metallenen Klang von sich gab, es war tatsächlich die Geldkiste. Das mitgebrachte Seil wurde an der Kiste befestigt, mit viel Mühe und unter großer Anstrengung versuchten sie nun, „sich und die Geldkiste“ aus der Grube zu ziehen. Mit letzter Kraft oben angekommen, spuckten der Seilspinner und seine Frau Liesbeth sich in die Hände, gaben sich ans ziehen. Die schwere Kiste zog sich nur langsam aus dem Loch, durch die Aufregung und der Last ging den beiden bald der Atem aus. Liesbeth zeigte sich stärker als ihr Mann, der wie ein Jagdhund keuchte und im ziehen nachließ. Da sank die Kiste um einige Handbreiten, in der Angst rief Liesbeth: "Drickes treck!" Da geschah „Schreckliches“, die Kiste fiel mit lautem Gepolter in die Tiefe, viel tiefer, als wo man sie gefunden hatte, alle Mühen und Anstrengungen umsonst! Aus der Ferne hörten sie das Bellen des Hundes, der wohl auf sie zukam. Voller Angst liefen sie davon, Hacke, Schaufel und Seil im Stich lassend.

Hört man heute noch in der Gegend das Bellen eines Hundes, so ist es vielleicht der Gotteslästerer, der als „Hund“, noch immer seine Geldkiste bewacht!

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e. V.


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