Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Geschichte der Nideggener Juden

Heute möchte ich über die jüdischen Mitbürger erzählen die sich bereits in der Frühzeit in der Stadt Nideggen ansiedelten.

Nachweisbar eine Familie Moyses, man kann annehmen, dass sie im Handel tätig war. Anfang des 13. Jahrhunderts verzog die Familie Moyses nach Köln. Über die Gründe schweigen die Quellen. Spätestens die Judenprogrome Mitte des 14. Jahrhunderts dürften den Schlusspunkt der ersten jüdischen Niederlassung in Nideggen markiert haben.

Im 17. Jahrhundert lassen sich wieder Einwohner mosaischen Glaubens in Nideggen nachweisen. 1617 werden Juden beim Stadtrat vorstellig, um sich in der Stadt niederzulassen. Alle neuen Einwohner, so auch die Juden, mussten eine Leistung erbringen, um in der Stadt wohnen zu dürfen. Der Stadtrat als aufnehmende Behörde gestattet den Juden in Nideggen unter der Bedingung zu wohnen, dass sie eine „erkendenus„ geben und für ihren Unterhalt selbst aufkommen können. Sie wurden aber nicht als gleichberechtigte Bürger aufgenommen und mussten ein sichtbares Erkennungszeichen tragen. Die Leistung, die die Nideggener Juden für ihre Aufnahme in die Stadt erbringen mussten, war in der Regel wesentlich höher als die der christlichen Mitbürger. Die Nideggener Juden arbeiteten als Metzger, Viehhändler und als Krämer. Zudem unterlagen die Juden des Herzogtums Jülich einer hohen Besteuerung durch den Landesherrn.

Kennzeichnend für die Juden in der frühen Neuzeit war, dass sie meistens relativ arm waren. Viele Juden versuchten als sogenannte „Betteljuden„ ein Auskommen zu finden und die Stadträte, so auch in Nideggen, waren bestrebt, arme Juden fernzuhalten. Aufgrund der Berufsrestriktionen durften die Juden im Mittelalter und der frühen Neuzeit nur wenigen Berufen nachgehen. Der Erwerb von Grundeigentum war ihnen verboten. So ist überliefert, dass die Familie Voes Salomon zeitweise im Zülpicher Tor wohnte, weil sie die Mietzahlung für eine eigene Wohnung nicht aufbringen konnte. Auffällig ist, dass alle jüdischen Familien in Nideggen innerhalb der Stadtmauern lebten, wahrscheinlich um sich vor Diebesbanden und Übergriffen zu schützen. Das Leben im Stadtzentrum brachte aber auch Nachteile mit sich. Es war ihnen untersagt, nachts die Stadt zu verlassen. Wenigstens zeitweise gab es einen Gebetsraum in Nideggen wo Gottesdienste gefeiert wurden. Bei Drove unterhielt die jüdische Gemeinde einen eigenen Friedhof.

Aufgrund der kriegerischen Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) verließ – wie viele christliche Mitbürger – die jüdische Bevölkerung Nideggen. Erst 1705 ist wieder jüdisches Leben in Nideggen nachweisbar. Bis zum Ende der Alten Herrschaft lebten ein bis zwei jüdische Familien in Nideggen.

Infolge der Besetzung des Rheinlandes durch französische Revolutionstruppen 1794 wurden auch die Nideggener Juden rechtlich den christlichen Mitbürgern gleichgestellt und alle Diskriminierungen aufgehoben. In französischer Zeit lebten fünf Familien mosaischen Glaubens in Nideggen.

Die Familie Schlächter ging dem Metzgerhandwerk nach; ein Sohn war in die Armee eingetreten. Helene Schön übte das Strickhandwerk aus. 1930 lebten sechsundzwanzig Juden in der Stadt; neunzehn von ihnen wurden in Konzentrationslager deportiert.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e. V.

Quelle: Dr. Johannes Schmitz


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