Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Hospital und Kapelle (veröffentlicht im Rundblick 12.02.2016)

Seit dem 14. Jhdt. wurden zunächst in den Städten, aber auch in den Landgemeinden Hospitäler oder Gasthäuser errichtet, die ursprünglich – soweit sie an Hauptverbindungswegen lagen - in erster Linie als Herbergen für arme Pilger gedacht waren. Diesen bot man eine Mahlzeit und Nachtquartier an und wenn sie krank oder verletzt waren, Pflege bis zur Genesung.

In späterer Zeit erwuchs daraus die Verpflichtung, jedem Bedürftigen, Waisen, Lahmen, Armen und Gebrechlichen jedes Standes und Geschlechts Unterkunft und Verpflegung zu gewähren. Es gab also zwei Gruppen: Pilger, die nur Anrecht auf zwei Übernachtungen hatten und die so genannten Pfründner, die ggf. auf Lebenszeit Aufnahme fanden.

Für Nideggen liegt eine Urkunde vom 29.12.1358 von Herzog Wilhelm I. von Jülich als Spendenaufruf für das Hospital vor, welches schon mindestens seit 1340 existierte.

Dieses bestand aus einem in der Vorstadt „Altwerk“ (Altwick) unmittelbar vor dem Dürener Tor gelegenes Haus mit einer kleinen Kapelle, die dem Hl. Julian und später dem Hl.Jovian geweiht war. Ohne Kapelle war nach mittelalterlicher Tradition eine solche Einrichtung nicht denkbar.


Bild: Archiv

Im Laufe der Jahrhunderte schwankte die Zahl der Hospitalgebäude, nur die Kapelle veränderte ihren Standort nicht: Im Altwerk/Bewersgraben. Die Außenmauern bestanden aus Bruchstein gemischt mit Fachwerk, versehen mit Schieferdächern. Die Kapelle war durch eine Tür mit dem Hospital verbunden. Es war kein Krankenhaus im eigentlichen Sinne, da eine Behandlung durch Ärzte nicht vorgesehen war.

Geleitet wurde die Anlage durch einen vom Rat der Stadt bestellten Gasthausbewahrer, der auch im Hospital wohnte. Zuständig für die Finanzen war der Gasthausmeister.

Zur Ausstattung wissen wir: Es gab einen Herdraum mit Feuerstelle und Küchenutensilien, mehrere Gasthauskammern mit insgesamt 7 Holzbetten incl. Bettzeug, die Dienstwohnung des Bewahrers nebst Familie und Waschbütten, jedoch keine Toilette. Erwähnt werden allerdings 2 Pissbaren und 1 Bruntzkachel oder Pisspott.

Der Hospitalbetrieb endete nicht plötzlich, sondern in einem längeren Prozess bis etwa um 1630. Dann verfielen die Gebäude und wurden durch Kriegseinwirkungen zerstört, das Gelände wurde als Gartenland verpachtet.

Die Kapelle wurde im Laufe der Jahrzehnte oftmals renoviert und war niemals an die Pfarrei gebunden; den Priesterdienst für die bis zu dreimal wöchentlich gefeierten Hl. Messen versahen auswärtige Geistliche oder Minoritenbrüder. Ausgestattet war sie in Massivbauweise mit Turm und Glocke, Holzfußboden, Glasfenstern und 15 Bänken.

Etwa um 1750 wurde auf dem Hospitalgelände wieder ein Gebäude errichtet, das zunächst als Schule genutzt wurde, bis diese verlegt wurde.

Das leer stehende Haus mit Kapelle wurde am 3. Juni 1913 für 9000 Mark von den Dürener Cellitinnen erworben und mit fünf Schwestern als Herz-Jesu Kloster geführt.

Der 2. Weltkrieg zerstörte die Gebäude völlig; heute ist von der Anlage nichts mehr zu sehen.

Margot Groß
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: H. O. Brans, das Hospital von Nideggen, Dürener Geschichtsblättet Nr. 87


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