Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Marktleben

Wir schreiben das Jahr 1573. Der Marktflecken Nideggen hat sich zu einem kleinen Handelsplatz entwickelt; mehrere Handelswege verlaufen mittlerweile durch die Ortschaft. Dies ist die Gelegenheit für Händler, Bauern und Krämer zum Handel, da die Einwohner durch ihre Spezialisierung nicht mehr in der Lage sind, ihren Nahrungsbedarf aus eigenen Mitteln zu sichern.

Es ist Zeit für einen Markt; demgemäß verleiht Herzog Wilhelm V. (den kennen wir noch nicht!) Nideggen das Privileg, pro Jahr drei Märkte abzuhalten: Der Montag nach dem Sonntag Laetare (4. Fastensonntag), Peter und Paul (29. Juni) sowie Hubertus (3. November).

Das Marktrecht bedeutet einen Vorteil für die städtische Wirtschaft und dessen Verleihung stand nur geistlichen und weltlichen Fürsten zu, da dieses Recht verbunden war mit dem Marktfrieden, einer Gerichtsbarkeit, einer Marktordnung und der Möglichkeit des freien Handels. Das Abhalten von Wochenmärkten ist nicht überliefert, das liegt vielleicht daran, dass die Kaufkraft der Einwohner der Stadt und des Umlandes sowie die schwache Strukturierung des Gewerbes dafür nicht ausreichten. Zudem war die Hanglage des Marktes nicht optimal.


Foto: Archiv

Zeichen für das Marktrecht war das Marktkreuz, das nicht als christliches Symbol in diesem Zusammenhang zu verstehen ist. Schon früh wurden der Marktplatz und später die Zulieferstraßen gepflastert und regelmäßig gereinigt, da der Markt das Aushängeschild der aufstrebenden Stadt darstellte. (Es fehlte nur noch -mangels Wassers- der traditionelle Marktbrunnen!) Dieses geschäftige Treiben wurde durch die Marktordnung geregelt: Nur wer eine Genehmigung hat, darf seine Waren anbieten (Gütekontrolle), jeder Händler bekommt seinen Stand zugewiesen, eine Aufsicht prüft, ob die Brote das (von Düren) vorgeschriebene Gewicht haben, der Eichmeister prüft, ob die verwendeten Gewichte stimmen (weiter vorgegeben: Branntweinmaße, Längenmaße, Ölmaße und die Größe der Bierkannen der Wirtshäuser). Vorgeschriebene Preise mussten eingehalten werden, es galt ein Verbot, die feilgebotenen Waren anzufassen und bei Verstößen und Streitigkeiten gab es den Stadtbüttel, der für Ruhe und Ordnung sorgte. Es war verboten, an Markttagen Waffen zu tragen oder Streit mit Waffen auszutragen und wer gegen den Marktfrieden verstieß, wurde streng bestraft. Rechtsstreitigkeiten wurden durch das Marktgericht entschieden.

Von Bier und Wein mussten vor Verkauf Proben dem Rat zur Verkostung abgeliefert werden, wonach dann die Preise festgelegt wurden, das galt auch für Fleischwaren. Alle Händler mussten einen Marktzoll bezahlen. Viel Volk lockt natürlich auch Spielleute, Bänkelsänger, Wahrsager, Wunderheiler und Taschendiebe an; für buntes Treiben war also bestens gesorgt.

Wir sehen also, dass sich im Laufe der Jahrhunderte nicht viel geändert hat.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Forum Jülicher Geschichte


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