Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Mich trifft der Schlag

Mein Name ist Wilhelm IV, Graf zu Jülich und Berg. Geboren wurde ich zwischen 1208 und 1210 oder wahrscheinlich 1219 (meine Mutter Mathilde hatte mal wieder ihren Kalender verlegt) und bin in zweiter Ehe mit meiner lieben Frau Richardis von Geldern verheiratet. Diese hat mir fünf stolze Söhne geschenkt: Wilhelm, Walram, Otto, Roland und Gerhard und ich habe auch vier oder fünf Töchter, glaube ich jedenfalls.

Die Stadt Aachen war mir von je her ein Dorn im Auge, konnte jedoch leider erstaunlicherweise noch nicht eingenommen werden. Außerdem war es schon lange zu ruhig geblieben.

Unter dem Vorwand, Steuern für König Rudolf eintreiben zu wollen, konnte ich jetzt 400 tapfere Soldaten für einen Überraschungsangriff gewinnen. Heute, am nebeligen Abend des 16. März 1278 (Gertrudis), ist es mir endlich gelungen, zusammen mit drei meiner Söhne durch Verrat das Kölntor der Stadt Aachen einzunehmen.

Meine Panzerreiter bahnen sich mit ihren langen Schwertern einen blutigen Weg durch die engen Gassen; die Verteidiger, -jäh aus dem Schlaf gerissen- kämpfen tapfer, haben aber keine Chance gegen uns. Sie ziehen sich zurück auf die Dächer ihrer Häuser und bewerfen uns von dort mit Hausrat. Wir gelangen unter dem Geläute der Sturmglocken bis zum Marktplatz, als uns schnell errichtete Barrikaden den Weg versperren. Damit haben wir nicht gerechnet: Auf den Pferden sind wir nicht beweglich genug! Wir müssen zu Fuß weiter. Aber jetzt sind überall die Gassen versperrt und die Gegenwehr wird immer stärker. Wir stecken fest! Ich rufe: „Sammeln- wir müssen zurück!“ Es gelingt uns, bis zum Weißfrauenkloster uns unter schrecklichen Verlusten durchzukämpfen und ich atme auf, denn das Stadttor ist in Sicht!


Zeichnung: H.-J. und M. Groß

Plötzlich steht ein riesiger, bärenstarker und rußbedeckter Schmied vor mir. Ich hebe das Schwert zum endscheidenden Schlage, da trifft mich ein mächtiger Hieb mit dem eisernen Schmiedehammer am Kopf und ich bin trotz meines Helmes auf der Stelle tot. Auch zwei meiner Söhne, Wilhelm (17) und Roland (15) sterben unter den wuchtigen Hieben des Schmiedes.

(Später werden einige behaupten, es sei ein Metzger gewesen, der nach der Tat gesagt haben soll, er habe aus mir Hackfleisch machen wollen).

Zu meinem und Richardis Gedächtnis befindet sich in der Pfarrkirche zu Nideggen ein allerdings leeres Grabmal.

Margot Groß
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Frei nach Josef Schregel


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