Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Migration in Nideggen im 18. Jhdt. (veröffentlicht im Rundblick 24.03.2016)

Kriege, Hungersnöte und Verarmung bewegen seit Jahrtausenden Menschen, ihre angestammte Heimat zu verlassen und ihr Glück in der Fremde zu versuchen.

Natürlich trifft dies auch für Nideggen zu. Seit 1313 Stadt, war sie damit Anziehungsort für Handel und Gewerbe und dem damit eng verbundenen aufstrebenden Wohlstand. Dies wiederum lockt Menschen an, die sich durch Zuzug ein besseres und sicheres Leben durch Teilhabe an den Privilegien eines Stadtbürgers erhoffen: So entsteht Migration.

Anhand der zur Verfügung stehenden Quellen wollen wir schildern, wie diese Situation im 18. Jhdt. in Nideggen ausgesehen hat.

Wir wissen, dass in diesem Zeitraum mehr als 130 Personen nach Nideggen eingewandert sind. Die Einwohnerzahl betrug damals etwa 500 bis 600 Personen. (Zum Vergleich: Nideggen hat 2016: 10.230 Einwohner und beherbergt im Februar 2016: 227 Migranten)

Die Neubürger stammten zu 90% aus den umliegenden Dörfern, also aus der näheren Umgebung und waren ganz überwiegend Tagelöhner und Landarbeiter ohne Qualifikation. Der Rat der Stadt hatte genau den Ablauf der Aufnahme als Neubürger geregelt: Jeder „Neuling“ musste sich an den Stadtrat wenden mit der Bitte um Aufnahme in das Bürgerbuch (leider verschollen).


Foto: Archiv

Bedingung für die Aufnahme war der Nachweis der Abstammung und ein guter Lebenswandel; eine Bescheinigung des abgebenden Ortes oder ein Entlassungsschein der Armee mussten ebenfalls vorgelegt werden. Es fand für bestimmte Berufe eine Bedarfsprüfung statt.

Die Neuaufnahme gab es auch nicht umsonst: Es wurden eine Sach- und eine Geldleistung eingefordert. Der Neubürger musste 2 Goldgulden bezahlen, eine Weingabe an die Ratsherren oder eine Tonne Bier spendieren und eine Feuerhacke und einen Ledereimer vorweisen.

Auf einer Ratssitzung wurden vom Stadtrat in der Regel mehrere Neubürger zusammen vereidigt und einer Rotte zugewiesen. Ehefrauen und Kinder wurden mit aufgenommen.

Nicht jeder konnte die Bedingungen erfüllen und so wundert es nicht, dass trotz Kontrollen immer wieder sich Personen illegal aufhielten. Von einer „Abschiebung“ ist jedoch nichts bekannt.

Sozialleistungen beschränkten sich außer einer gewissen Krankenpflege im Hospital auf Lebensmittelspenden; Kinder konnten zur Schule gehen.

Juden zahlten für ihre Aufnahme 3 Goldgulden und konnten keine städtischen Ämter bekleiden.

Margot Groß
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: Johannes W. Scmitz, Forum Jülicher Geschichte


© Copyright