Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Montanindustrie im Raum Nideggen

Unsere Nideggener Heimat, am Rande der Nordeifel, war nicht immer nur von der Landwirtschaft und dem Fremdenverkehr geprägt, sondern in „Alten Zeiten“ florierte hier die Schwerindustrie. Dies mag manchem nicht so recht einleuchten, daher will ich meine These ein wenig erläutern.

Das Ende der Steinzeit bedeutete der Beginn der Metallzeit. Man hatte wohl herausgefunden, durch Erhitzen von erzhaltigem Gestein Metall zu gewinnen. Unter der Erde am Nordrand der Eifel findet man an vielen Stellen Erze, Erzlager.

Ich verweise nur auf die Orte Rescheid, Mechernich, Bleibuir, Berg vor Nideggen, Leversbach, Berzbuir, Kufferrath, Horm bis Stolberg und viele Orte mehr. Hier ziehen sich Erzlager durch die Erde. Diese Erzadern waren einst der große Reichtum unserer auch vor über 2000 Jahren kultivierten Region. Die damaligen Fachleute wussten die Erdoberfläche zu lesen; Gesteine, Bodenverfärbungen ect. verstanden sie zu deuten und werteten diese Erkenntnisse aus.

Die Ausbeutung dieser Schätze hat natürlich ihre Spuren hinterlassen. Hier bei uns in Nideggen denke ich besonders an die vielen Pingen im Badewald, sowie die dort zu findenden großen Schlackenhalden. Auch in Nideggen selber, im Bereich der Jülicher Straße, hat man nach Erzen gegraben.

Es gab Wanderarbeiter und Wanderschmiede, die es vorzüglich verstanden, Eisen herzustellen und entsprechend zu verarbeiten. Sie wurden von dem jeweiligen Landesherrn angeheuert, teilweise aber auch als eine Art Arbeitssklaven in die Bergbaugebiete verschleppt. Diese kunstfertigen, fremden Leute waren der hiesigen Bevölkerung vielfach unheimlich. Ja man nahm an, dass die Bergleute über Mystische Kräfte verfügten und man erzählte sich Sagen von Feuer- und Schmiedegötter, sowie von Zwergen, die im Berg wohnen und diesen ausbeuten. Dieses bunte Volk wohnte tatsächlich direkt am oder teilweise im Bergwerk und verfügten auf Grund ihrer Kunstfertigkeit und Wissen über teilweise viel Geld. Das Bergbaugeschäft florierte vorzüglich und man kann mit Fug und Recht von einer großen Montanregion sprechen (lat. das zum Berg gehört). Die gesamte Bevölkerung profitierte damals von dem Erzabbau, (ähnlich wie in den 50-60 Jahren das Ruhrgebiet oder das Rheinische Braunkohlerevier).

Wie eh und je entstehen um solche rohstoffreiche und wirtschaftlich starke Gebiete Krieg, Kämpfe, Mord und Totschlag, zumal man unbedingt das Metall brauchte, um wirksame Waffen herzustellen. Man benötigte aber nicht nur das Eisen, sondern auch die notwendigen Fachleute, sprich Schmiede.

Wer in der Lage war, sogar Stahl herzustellen, war damals der Stärkere, quasi der „King“. Jede aus Stahl gefertigte Waffe war einer Eisenwaffe weit überlegen. So auch hier bei uns. Ich denke nur an Cäsar, welcher die Eburonen, die hier lebten und ebenfalls Erze abbauten, besiegte. Dies mit Sicherheit nicht nur aus militärischen Aspekten, sondern um an den Schatz der Eburonen und natürlich an die Erzbergwerke und Brennöfen zu kommen.

Hier lebten 300 oder 400 Jahre später auch die Nibelungen, mit dem uns bekannten Drachentöter Siegfried, der in das Königshaus der Niflungen eingeheiratet hatte. (Niflugaland, Neffelgauland – das Land an der Neffel -, die Quelle befindet sich im Badewald). Dieser soll seinen Schatz von Zwergen erhalten haben, die im Berg wohnten und arbeiteten.

Die Region “Berg vor Nideggen“ dürfte ihren Namen nicht davon habe, dass der Ort auf dem Berg liegt, sondern dass „im Berg“ gearbeitet, Erze gefördert und verarbeitet wurde. Zur Unterscheidung von anderen Orten mit dem Namen Berg gab man ihm den Beinamen „vor Nideggen“. Diese Ortsbezeichnung war - lt. Dr. Heinen -, bereits 1447 im Gebrauch. Die Kelten gruben hier in Berg vor Nideggen nach Erz ebenso wie die Römer. Man sprach von der Römischen Erzprovinz. Auch die Franken haben ihr Spuren hier hinterlassen. In anderen Orten der Nordeifel wurde bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts noch Erz abgebaut.

Entstand auch die Königspfalz in Vlatten letztlich durch den Erzabbau?

Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.


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