Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Nideggen in Finanznöten

Kommt man als Wanderer aus dem Rurtal erstmalig hoch nach Nideggen, so wird man von dem malerischen Reiz des kleinen Eifel-Städtchens eingefangen. Hinter den Überresten der alten Stadtmauer und Stadttoren baut sich die Altstadt mit Markt, imposant und wirkungsvoll auf.


Nideggen, Blick: Marktplatz, Postkarte, Archiv HGVN

Das Bild lässt einen gewissen Wohlstand vermuten. Dieses trifft auch für die schönen Häuser mit den sauberen Gärten, die vor der Altstadt liegen zu, doch für die Stadt selbst täuscht dieser Anblick, sie ist nämlich bettelarm.

Dieser Zustand ist für Nideggen nicht neu! Nideggen war immer in Geldnöten, es gab mal immer wieder, einige kurze, gute, finanzielle Zeiten, doch diese waren nicht von langer Dauer. Es konnte auf Grund der laufenden Kriege, Einquartierungen, Brände, Erdbeben, mit relativ schlechten Böden und dem rauen Klima kein wirklicher Wohlstand aufkommen. Gewerbe ist nur wenig vorhanden und Industrie eigentlich gar nicht.

Da Nideggen früher an der Handelsstraße Monschau – Köln – Frankfurt lag, ließen die Fuhrleute, die hier übernachteten, Geld für das Gastgewerbe und somit auch für den Stadtsäckel da. So musste die Stadt sich etwas überlegen, wie sie über Steuereinahmen an das dringend benötigte Geld kam.

So wurde zum Beispiel eine Brückensteuer für die Brücke in Nideggen-Brück erhoben. Eine Grundsteuer wurde festgesetzt, sowie eine Steuer auf Viehbesitz oder eine Gewinnsteuer auf die Ernte. Hierfür wurde der Ernteertrag geschätzt.

Von einer guten Zahlungsmoral konnte man nicht sprechen, und freiwillig zahlte kaum einer die Steuern. Daher bedurfte es oft große Anstrengungen, diese einzutreiben. Da die Straße nach Schmidt sich in einem außerordentlich schlechten Zustand befand und dadurch bedingt die Fuhrleute immer öfter einen anderen Weg nach Köln einschlugen, wurde 1768 die Idee geboren, die Straße zu befestigen.


Rathaus Nideggen 1819, Postkarte, Archiv HGVN

Die Brückensteuer sollte abgeschafft und stattdessen eine Straßengebühr erhoben werden. Da auch in dieser Zeit die Stadtkasse leer war beschloss der Rat, dass die Bürger ihre Arbeitskraft kostenlos zu Verfügung stellen sollten, damit die Straße „billig“ gebaut werden konnte. Hierzu hatten die Bürger jedoch keine Lust, man erschien, arbeitete aber nicht, schickte dafür die Kinder mit Schaufel und Hacke zur Arbeitsstelle. Man widersetzte sich der Zwangsarbeit und selbst hohe Strafandrohungen durch den Stadtrat blieben wirkungslos. Schließlich verweigerte man die Arbeit ganz, da man der eigenen Erwerbstätigkeit nicht nachkommen konnte. Wie sollte ein Familien-vater seine Kinder ernähren? Man war so erbost, dass man in das Rathaus einbrach und sich Schlägereien mit den Ratsherren lieferte. Nachts verwüsteten die Einwohner die Gärten der Ratsherren, zerschlugen ihre Fensterscheiben, so dass diese voller Angst sich einschlossen.

Da es keine Exekutive – Polizei – im größeren Umfang gab, waren die Ratsherren dem Treiben hilflos ausgeliefert. Die Arbeit wurde ganz eingestellt und der Rat wendete sich 1769 hilfesuchend an die Regierung in Düsseldorf.

Der Volkeszorn beruhigte sich erst nachdem die Regierung Anweisung gab, die Arbeiter zu entlohnen. Daraufhin war es für die Tagelöhner ein lohnendes Zubrot, auch wenn sie manchmal nicht mit Geld, sondern mit Lebensmitteln, wie Getreide, bezahlt wurden.

Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.


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