Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Seltsame Steine am Bewershof zu Nideggen

Im Mittelalter gab es noch keine ausgeprägte „Toilettenkultur“, meist wurden in besseren Kreisen so genannte „Leibstühle“ – auch in aller Öffentlichkeit – untergeschoben, sonst gab es nur das „Töpfchen“. Sanitäre Anlagen kannte man noch nicht.

In späterer Zeit schuf man fortschrittlicheren Anlagen, die sich bei Burgen und edlen Wohnhäusern innerhalb der Außenmauern befanden und durch einen kurzen Gang mit dem Gebäudeinnenraum verbunden waren. Eine deutliche Verbesserung der hygienischen Verhältnisse brachten Aborte in Mauernischen, deren Fallschächte schräg nach außen führten. Die Hinterlassenschaften konnten so in den Burggraben oder ins freie Gelände fallen; der Schacht musste nicht mehr regelmäßig entleert werden. Foto: H.-J. Gross

In der nächsten Entwicklungsstufe springen die Ausflußöffnungen der Schächte über die Mauerfläche vor, der eigentliche Abtritt liegt aber noch in der Mauer. Der Sitz ist also vollständig in einem Erker untergebracht, der auf zwei Kragsteinen ruhte.

So verhält es sich mit den im zweiten Bild zu sehenden Steinen an der Außenmauer des Turmes, vom eigentlichen Aborterker ist leider nur dieses Relikt übrig geblieben.

Foto: H.-J. Gross

Trotz größerer Bequemlichkeit gerade im Winter kein angenehmer Ort, auch „Haymlichkeit“ genannt. Vor hundert Jahren fand sich auch noch zur Vervollständigung des Systems darunter ein Wassergraben zwischen Brandenberger und Dürener Tor.

Im Kriegsfalle gab es jedoch einen gravierenden Nachteil: Stand ein Krieger z. B. mit der Armbrust unter dem Schacht, war entscheidend, wer zuerst abdrückte.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.



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