Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Thuirer Kreuzche

Hier möchte ich von einer Sage über das Thuirer Kreuzche erzählen. In alter Zeit stand an einem Kreuzweg zwischen Berg-Thuir und Nideggen-Pissenheim ein Kreuz, worauf sich ein Cristuskörper befand. Die Flur auf das es stand, wird noch heute „am Thuirer Kreuzge“ genannt. Von Wiesen und Weiden umgeben, liegt in unmittelbarer Nähe das Wäldchen Muscheling, in welchen in alter Zeit ein Hof, eine so genannte Wasserburg lag. Von der Existenz dieser Burg zeugt heute noch erkennbar einige Gräben und übrig gebliebene Wallreste. Längst ist dieses Gelände mit Gestrüpp überwachsen, doch an einer Stelle war noch lange sichtbar, den Versuch von Schatzgräbern, in der Hoffnung, eine Geldkiste in der damaligen Wasserburg zu finden. Gutshof um Nideggen, (Gut Schüdderfeld), Archivfoto: HGVN

Nach einer Überlieferung erzählt man sich folgendes: Eine arme Witwe aus Thuir wohnte in einer armseligen baufälligen Hütte, die sie mit einer Wiese von einem reichen Hofbesitzer gepachtet hatte. Ihr einziger Besitz war eine alte, abgemagerte Kuh, die sich notdürftig von der kargen Wiese ernährte. Es kam der Tag, an dem die alte Frau ihre Miete für die armselige Hütte und der ertragslosen Wiese, nicht mehr bezahlen konnte. Der hartherzige Pachtherr ließ durch seinen Hütejungen die abgemergelte Kuh der armen Witwe zu seiner Herde bringen, mit der sie dann abends in seinen Stall getrieben wurde. Als er noch seinen Hund auf die Witwe hetzte, rief diese im drohend zu, „dass Gott ihn für seine Hartherzigkeit strafen würde“. Nun, als der Hütejunge am anderen Morgen den Stall seines Herrn betrat, lag „alles Vieh“ tot auf dem Boden, nur die Kuh der armen alten Witwe, sie lebte noch und schaute ihn aus ihren hungrigen Augen an. Rasch machte der erstaunte Hütejunge sie los, ihm fiel die Drohung gegen seines Herrn ein, die abgemergelte Kuh aber lief mit übermütigen Sprüngen auf Thuir zu. Der Hütejunge meldete seinem Herrn, der eben auf die Jagd gehen wollte das Unglück und sagte: „Das hat Gott Euch geschickt!“ Erzürnt über diese Worte, riss der Hofherr das Gewehr von seiner Schulter und zielte auf das in der Nähe stehende Kreuz mit den Worten: „Hast Du Hund das getan?“ Der Schuss ging los, die Kugel aber prallte zurück und gegen die Stirne des Gotteslästerers. Dieser fiel zu Boden, wurde zu Erde, in einen Hund verwan-delt und lief laut bellend davon. Gleichzeitig versank seine Wasserburg unter donnernden Getöse in den Erboden, sodass man nichts mehr von ihr sah.

Der Hund aber durchstreift seit dieser Zeit den Wald, zeitweise liegt er auch auf der verwunschenen Stätte und bewacht die mit der Burg versunkenen Geldkiste, -doch diese wird noch eine eigene Geschichte-.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e. V.


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