Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Verlies in Burg Nideggen

Heute erzähle ich etwas über die Geschichte des Verlieses in der Burg Nideggen.Erbauer ist - wie bekannt – Graf Wilhelm II. von Jülich (1176 bis 1207).

Das Verlies ist – wie auch die Kapelle daneben – in seiner ursprünglichen Form fast vollständig in den Maßen 9 x 8 m bei einer Deckenhöhe von ca. 6 m erhalten.Es war also ein ziemlich geräumiges Gefängnis, allerdings ohne Tür (die erst sehr viel später durch die 2 m dicke Mauer gebrochen wurde). Einziger Zugang war das so genannte Angstloch in der Decke – s. Bild.


Angstloch, Kerker Burg Nideggen, Foto: H.-J. Groß

Zur Einweihung der Räumlichkeiten warf Wilhelm seine Gattin Alveradis v. Molbach dort hinein. Sie konnte jedoch mit Hilfe von Getreuen sehr zum Leidwesen ihres lieben Gatten entkommen, der daraufhin vom Pferd fiel und sich den Hals brach.Im Laufe der Zeit hielt sich einige Prominenz dort erzwungener Maßen auf – nach vom Grafen gewonnenen Schlachten pflegte der Sieger hochrangige Personen „einzubuchten“ zum Teil auch, um Lösegeld zu fordern.

Bekannt wurden folgende hohe Herren:

1214 Herzog Ludwig von Bayern

1242 Erzbischof Konrad von Hochstaden (9 Monate)

1267 bis 1271 Erzbischof Engelbert der II. von Falkenburg (nach der Schlacht bei Zülpich) und Graf Dietrich von Kleve (kurzzeitig). Engelbert musste noch für seine Vollpension 100 Mark nachzahlen. Da die Geistlichkeit Anspruch auf Teilnahme an der heiligen Messe hatte, wurde ein Sichtloch zur Kapelle in die Mauer gebrochen.


Sichtloch, Kerker Burg Nideggen, Foto: H.-J. Groß

1279 Friedrich (oder Siegfried?) von Westerburg.

1314 Ritter Reinhold von Falkenburg

1371 Herzog Wenzel von Bayern und die Herren v. Seron und Peter v. Baer (nach der Schlacht bei Jülich).

Nicht überliefert ist, ob „all inclusive“ mit den Gefangenen vereinbart war.

Mit der Erfindung des Schießpulvers ging die Bedeutung der Burganlage zurück, das Verlies wurde zur Rumpelkammer.

Der Sage nach soll es jedoch in hellen Vollmondnächten spuken; ein noch nicht näher ermittelter Adliger treibt bis heute dort sein Unwesen.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.



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