Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Weinanbau

Heute erzähle ich etwas über den Weinanbau in unserer Gegend.

Weinanbau in „Preußisch-Sibirien“? Und doch: Es ist urkundlich überliefert, dass bereits im 9. und 10. Jhdt. von Klöstern und dem Adel Weinkultur betrieben wurde.

So wurden ausdrücklich im Tal der Rur die Orte Nideggen, Abenden, Heimbach, Maubach, Winden und Embken erwähnt.

Bereits Karl der Grosse bezog Weine für seine Hofhaltung aus dieser Gegend. Auch aus den Katasterbezeichnungen, die es heute noch gibt, wie „Am Wingartsberg“ oder „Im Kelter“ lässt sich dies ableiten. Man muss sich jedoch vorstellen, dass das Klima in früheren Zeiten bedeutend milder und gemäßigter und die Sonneneinstrahlung stärker als heute gewesen ist. Auch mag der Geschmack der Weintrinker nicht so verfeinert gewesen sein wie heute.


Foto: Archiv

Die Grafen von Jülich verpachteten durch „Oberweingartsaufseher“ und so genannte „Weinröder“ die Weinanbaugebiete an Winzer und erließen dazu genaue Regeln für die Bearbeitung der Weingärten (wann gemistet wurde, wo und wie viele neue Rebstöcke gesetzt werden mussten etc… Um 1670 lieferte das Amt Nideggen an den Jülicher Grafen 16.500 Liter roten und 700 Liter weißen Wein, wobei über die Qualität nichts überliefert ist. Dies war die Hälfte des Ertrages, die als Pacht abgeführt werden musste.

Erst im Laufe des 19. Jhdt. versiegte der letzte edle Tropfen im Rurtal, wofür nicht zuletzt auch das Vordringen der Reblaus sorgte.

Überliefert ist die Geschichte eines wackeren Trinkers aus Abenden: Er setzte den Becher an und trank (Abender Sauern), doch schon nach dem ersten kräftigen Schluck ließ er ihn sinken. Sein Gesicht verzog sich, Tränen traten ihm in die Augen, die Nase verfärbte sich blau. Die Ohren spannten sich wie volle Segel und Urlaute kamen aus seinem Mund. Es erfolgten ein jäher Aufbruch und ein schneller Lauf zum Häuschen mit dem Herzen.

Nachzutragen bleibt, dass heute wieder ein exzellenter Tropfen in Heimbach und Obermaubach gewonnen wird.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: frei nach H. Weismantel


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