Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Wirtshausordnung

Auch im 18. Jahrhundert hatte alles in Nideggen seine Ordnung zu haben.

Der Rat der Stadt Nideggen hatte vielfältige Aufgaben zu erfüllen. So war es unter Anderem seine Aufgabe, das Maß der Bierkrüge in den Wirtshäusern zu prüfen. Waren diese zu klein wurden sie kurzerhand mit ins Rathaus genommen, wo sie bei den Sitzungen wieder verwendet wurden.

Des Weiteren prüften die Ratsmitglieder die Qualität des ausgeschenkten Bieres. Hierbei wurde auch schon einmal festgestellt, dass das Bier nicht genießbar sei. Inwieweit dieses ungenießbare Bier die Ratsherren selber tranken wurde jedoch nicht überliefert.


Gut Kirschbaum, Foto: Archiv

Die Öffnungszeiten der Gasthäuser waren genau vorgeschrieben. Im Winter musste um 19 Uhr und im Sommer um 21 Uhr geschlossen werden. Der Nachtwächter hatte den Auftrag, dies zu kontrollieren. Ebenfalls gehörte zu seinen Aufgaben, dafür zu Sorgen, dass sich in den Gasthäusern kein „liederliches Gesindel“ aufhielt und es in den Räumlichkeiten der Gaststätten und Herbergen gesittet zuging.

So ist beschrieben, dass ein „boshaftes Leben“ der Ehefrau eines Wirtes den Unwillen des Rates hervorrief, da sich diese Ehefrau immer wieder „mit einquartierten Soldaten und anderes liederlichen Gesindel“, Tag und Nacht aufhielt. Die Wirtsleute wurden vor den Rat zitiert und dringend gebeten, das lasterhafte und ärgerliche Leben sofort zu beenden, da andernfalls die Gaststube und die dazugehörige Herberge geschlossen würde. Da diese jedoch alles abstritten und man keine Zeugen fand die bereit waren entsprechend auszusagen, gab man den Fall an den zuständigen Pfarrer der Stadt Nideggen ab.

Ob es dieser gestrenge Herr mit dem Hinweis auf Fegefeuer und Hölle schaffte, das Ehepaar wieder auf den rechten Weg der Tugend zu führen, wurde ebenfalls nicht überliefert.

Ähnliches wie bei Bier galt es auch beim Wein. Dem Rat stand das Recht zu, Wein zu „küren“. Dazu musste der Weinhändler eine Probe an den Rat abliefern, der nach Verköstigung den Preis bestimmte. Sollte ein Weinhändler Wein verkaufen, der nicht durch den Rat verköstigt war, wurde dieser mit einer hohen Strafe belegt.

Wie man sieht, hatte der Rat“ eine sehr umfangreiche und verantwortungsvolle Tätigkeit auszuführen. Nicht nur das er sich um die Finanzen der Stadt, sondern er musste sich auch um das Lebensmittelrecht und das Seelenheil seiner Mitbürger kümmern.

Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Quelle: u. A. Dr. Johannes Schmitz, „Nideggen im 18. Jahrhundert“



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