Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Der schönste Aussichtspunkt von Nideggen


Von Abenden aus steigt man durch eine Waldschlucht des östlichen Hang des Rurtals empor. Laub und Nadelhölzer wechseln einander ab, aus den Baumkronen ragen einige Sandsteinfelsen. Wilde Apfel- und Kirschbäume von riesigen Ausmaßen neigen sich über den Weg. Quellen rieseln durch feuchte Wiesengründe. Auf der Höhe des Talrandes tritt der Wald zurück. Ein weites Ackerfeld dehnt sich aus. Eine gewaltige runde Baumkrone erhebt sich über den höchsten Punkt: 345 Meter; der Klemensstock.




Eine uralte Linde, deren Stamm drei Paar Männerarme nicht umfassen können, deren Krone mehr als 20 Meter im Durchmesser hat. Viele hundert Jahre mag sie alt sein. Nach einer Sage hat der heilige Klemens (Willibroid) diese gepflanzt. Da Linden über 1000 Jahre alt werden können, ist dies sogar denkbar. Unter dem breiten Blätterdach steht ein hohes Steinkreuz und an den Stamm gelehnt - eine Ruhebank.

Wo könnte eine Fernsicht im Dürener Lande schöner sein als hier oben? "Im Westen das Rurtal mit dunkeln Fichtenwälder, Nideggen mit Burg, Kirche und Stadttor, der weite blaue Gebirgsstrich mit den spitzen Kirchtürmen mehrerer Venndörfer. Im Osten breitet sich das wellenförmige Land aus, das allmählich in die Rheinebene hinabgleitet und mit vielen Dörfern übersät ist."

So beschreibt Wilhelm Küppers, aus Stockheim, welcher Lehrer in Nideggen - Embken war, vor rund 80 Jahren den Klemensstock.

Heute sieht man neben all den Schönheiten die Wilhelm Küppers beschrieb auch die Braunkohlekraftwerke von Weisweiler, Niederaußen und Frimmersdorf, sowie die Sophienhöhe, die ja mittlerweile eine Höhe von 300 m erreicht hat. Im Süden erblickt man im blauen Band des Kermeters, das Kloster Mariawald und bei guter Sicht die „Hohe Acht." Im Osten den Kölner Dom und im Südosten das Siebengebirge mit dem Petersberg und das dazugehörende Hotel. Leider verschwindet gerade bei schönem Hochdruckwetter, wo die Sicht besonders gut sein sollte, die Rheinebene unter einem gelben undurchdringlichen Smogschleier. Unübersehbar sind hingegen die vielen Windkrafträder die wie Pilze aus dem Boden schießen. Der Klemensstock hat sich seit der Zeit etwas geändert. Das Steinkreuz wurde nach dem 2. Weltkrieg in Berg vor Nideggen aufgestellt und man errichtetet hier einen schönen Bilderstock, mit der Statue des hl. Klemens als Bischof von Echternach. Alljährlich wird hier zu Fronleichnam die hl. Messer gefeiert. Aber nicht nur der christliche Glaube wird hier gelebt. Jeweils zu Sylvester um Mitternacht und auch in anderen mystischen Nächten findet hier gelegentlich ein spirituelles Fest von Anhänger des Keltenkults statt.

Die uralte Linde wurde - und hier sind die Angaben widersprüchlich - durch Kriegswirren zerstört oder vom Blitz getroffen. An der Stelle pflanzte man vor vielen Jahren 3 Lindenbäume, die schon ein stattliches Ausmaß angenommen haben.

Die schöne Aussicht ist wie vorstehend erwähnt geblieben. Ebenfalls lädt hier eine Bank zum verweilen ein, und somit kann man in aller Ruhe die Aussicht genießen.

Dieser ausgesprochen schöne Aussichtspunkt mit der wahrscheinlich schönsten und weitesten Rundumsicht im Dürener Land, ganz in der Nähe von Nideggen gelegen, sei jedem ans Herz gelegt.

Rundblick Rureifel, 17. Juni 2011

Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e. V.

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