Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Allerheiligen in und um Nideggen


Heute möchte ich eine Geschichte erzählen, von einem alten Brauch am Allerheiligenabend.

In alter Zeit, wenn am Allerheiligenabend in der Kirche der armen Seelen in der Totenvesper gedacht wurde, danach bei eintretender Dunkelheit die mit Blumen, Kränzen und brennenden Kerzen geschmückten Gräber der Verstorbenen besucht worden waren, versammelten sich die Familienangehörigen vollzählig zu Hause zum gemeinschaftlichen Rosenkranzgebet für die Verstorbenen. Die älteren sangeskundigen Jünglinge zogen an dem Abend von Haus zu Haus und ließen ihren monotonen Gesang ertönen. Gemäß uralter Überlieferung sammelten sie nach der zweiten Strophe Geldspenden für die Verstorbenen der Gemeinde. Nach erhaltener Spende sangen sie zum Dank die dritte Strophe.

Arm und reich spendeten gern ihren Beitrag, da für diesen Obolus die hl. Messen gelesen wurden. Weil es zu einer Zeit an einem tonsicheren Vorsänger fehlte, ging der Gesang ein. Es wurde aber anstatt dessen eine Hauskollekte zu obigem Zwecke abgehalten, bis auch schließlich diese eingestellt wurde, und so ein uralter schöner Brauch christlicher Nächstenliebe in Vergessenheit geriet.

Die ersten zwei Strophen des urtextlichen Liedes, möchte ich kurz schreiben:
Gott grüßt euch, alle Leutchen, Die ihr da drinnen seid!
Gott grüßt die armen Seelen, Die in dem Fegefeu'r sind.
Die Gab', die ihr uns gegeben, Die geht euch selber an.
Den Weg zu ew'gen Leben, Da ist ein Zweifel dran.

Nicht nur dieser alte Brauch ist in Vergessenheit geraten auch das Allerheiligenfest wird kaum noch in der alten Form gefeiert, sowie mit einen Besuch in der Kirche, des Friedhofes, an dem Ort, wo die Liebsten zur Ruhe liegen. Von unseren Vorfahren, den Kelten, wurde in der Nacht vom 31.10. zum 01.11. das Fest: Halloween gefeiert. Hierbei wurde der Verstorbenen gedacht und man stellte ihnen auf den Grabstätten Essen für das Leben im Jenseits hin. Indem man sich maskierte, wurden Geister und Dämonen vertrieben. Dieses Fest wurde vom christlichen Glauben, wie so viele alte keltische und germanische Feste und Gebräuche, in geänderter Form übernommen.

In Irland wird noch heute, des alten keltischen Festes gedacht. Die Auswanderer nahmen es mit nach Amerika, es wurde da ein großes Volksfest. Dort ziehen als Geister verkleidet, die Kinder und Jugendlichen durch die Nacht und erschrecken brave Bürger.

Nunmehr hat dieses Fest, wie so vieles aus Amerika, Einzug in Europa gehalten. Auch bei uns in Nideggen ziehen seit einigen Jahren, Kinder und Jugendliche, verkleidet als Geister durch den Ort. Sie klingeln an den Haustüren, erschrecken die Bewohner und fordern mit dem Spruch: „Gib Süßes, sonst gibt's Saures“. In den Städten feiert man als Geister und Ungeheuer verkleidet, tolle Partys.

Somit ist aus dem beschaulichen Fest im Familienkreis, um den Verstorbenen zu gedenken, ein dem Karneval ähnliches Spektakel geworden.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e. V.

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