Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Burg in Nideggen-Thuir


Die Stadt Nideggen ist u.a. bekannt durch ihre große Burg, welche durch den Grafen von Jülich errichtet wurde. Sie sollte das Gebiet gegen die (berechtigten?) Interessen des Erzbischof von Köln sichern.

Die Grundsteinlegung durch Wilhelm II erfolgte im Jahre 1177. Sie galt lange Zeit als uneinnehmbar. Erst durch die Erfindung des Pulvers konnte die Burg sturmreif geschossen werden. Erbstreitigkeiten mit Kaiser Karl V waren Anlass genug die Burg durch das Kaiserliche Heer, welches angeblich rund 200.000 Mann stark gewesen sein soll, unter der Führung des Prinzen Renatus von Oranien - Nassau, mit Artilleriegeschützen 1542 anzugreifen und sturmreif zu schießen. Nicht nur das man die Burg zerstörte, nein ganz Nideggen musste gebrandschatzt und geplündert werden. Ob nun die Zahl von 200.000 stimmt (vielleicht wollte der Chronist nur auf ein sehr großes Heer hinweisen) oder nicht, auf jeden Fall war ein riesiges Militäraufgebot nötig, um die wehrhafte Burg einzunehmen.

Somit erlitt Nideggen das gleich Schicksal wie die Städte Jülich und Düren, wo kurz vorher ebenfalls die kaiserlichen Truppen wie die Vandalen wüteten.

Neben dieser mächtigen Burganlage gab es im jetzigen Nideggener Stadtgebiet aber auch noch eine weitere Burganlage am Neffelbach, die Göddersheimer Burg, welche leider dem Verfall preisgegeben ist, und eine weitere in Thuir. Diese ist jedoch nicht mehr vorhanden.

Noch im Jahr 1726 stand diese Burg, wie uns ein Bild des wallonischen Malers Renier Roidkin zeigt, stolz und in voller Pracht Thuir. Die Burg lag am Muschelingbach und wurde wahrscheinlich von einem Wassergraben umgeben.

Auf der Landkarte von 1803 bis 1820 des Franzosen Tranchot, meint man dieses auch noch erkennen zu können. In einem von mir mit einem alten Einwohner von Thuir - welcher zwischenzeitlich verstorben ist - geführten Gespräch, zeigte mir dieser die vermeintliche Stelle der Burg, da er hier immer wieder auf große behauene Steine stieß und diese Ecke sehr sumpfig ist. Hier meint man auch beim genauen Hinsehen eine größere ringförmige Vertiefung zu sehen, welche auf einen Wassergraben hindeutet.

In alten Aufzeichnungen wird eine Gemarkung in Thuir als Tiergarten bezeichnet. Dies ist ebenfalls ein Hinweis auf die Burg. Hier wurden vom Adel, in einer parkähnlichen Landschaft, Jagdtiere gehalten. Diese wurden bei plötzlichem Besuch geschossen und beim folgenden Festparkett aufgetragen.

Nach dem Verfall der Burg, wurden die Steine zum Bau neuer Häuser und Stallungen verwendet. So wurde z.B. in Nideggen-Berg mindestens zwei Häuser mit dem Steinmaterial gebaut. Mehr kann ich über die Burg in Thuir nicht sagen. Fest steht nur, dass es eine gab und diese offensichtlich nach 1820 also vor rund 200 Jahren als Steinbruch endete.

Sollte jemand mehr über diese Burg wissen, wäre es schön wenn er mich hierüber informieren würde.

Zu Thuir möchte ich noch erwähnen, dass die Landstraße Berg - Thum früher mitten durch Thuir führte. Gegen 1880 wurde die jetzige Straße gebaut, man umging Thuir und ließ den Ortskern östlich liegen.

Rundblick Rureifel, 29. Juli 2011

Heinz Bücker
Heimat und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

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