Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Eifelrennen 1922 bis 1926


Die ersten Eifelrennen wurden nicht um die Nürburg bestritten, sondern hier in der Nordeifel. Alle Großen des Motorsports waren vertreten und es ging im Rundkurs über 33 km um die Burg Nideggen.

Der Start und das Ziel war in Nideggen, auf der Danzley. Von hier jagten die Rennfahrer über Berg, Wollersheim, Vlatten, Heimbach, Hasenfeld,Schmidt und Brück zurück nach Nideggen. Diese Strecke ist ca. 33 km lang und wurde je nach Fahrzeugklasse zwischen 6 und 10 mal gefahren.

Berichten will ich hier von dem Rennen 1925, welches insgesamt 4 Tote forderte.

Die ersten 2 tödlichen Unfälle erfolgten bereits bei den Trainingsläufen, der 3. tödliche Unfall ereignete sich während des Rennens und der 4. nach dem Rennen. Es war eine extrem schwierige Rennstrecke. Besonders gefürchtet war das „Vlattener Köpfchen" und die Schotterstrecke von Brück hoch nach Nideggen. Neben den etablierten Werksfahrern gab es einen einsamen Privatfahrer, nämlich Gustav Müntz aus Düren, welcher leicht belächelt von den anderen Rennteilnehmern und dem fachkundigen Zuschauern, mit einem umgebauten Ford T-Modell ins Rennen ging. Bereits am Anfang des Rennens wurde er aus einer Kurve getragen und verbog sich die Vorderachse. Diese wurde sofort vom einem Schmied gerichtet. Anschließend gab das Kupplungsgestelle den Geist auf, die Bremsen qualmten was das Zeug hergab. Augenzeugen berichten, dass zum guten Schluss die Karosserie auseinander fiel. Trotzdem schaffte er es bis zum Ziel auf der Danzley.

Hier wurde er von der Musikkapelle mit den Musikstück „Wenn ich dich sehe muss ich weinen" gebührend empfangen.

Gustav Müntz schwor aufgrund dieser Blamage und Demütigung Rache. Er tunte für das Rennen 1926 ein Ford T Model selber, und besorgte sich in Paris einen 3 Liter Motor mit obenliegenden Nockenwellen und einem 5 Gang Getriebe. Damit belegte er 1926 den 1. Platz, wurde jedoch - warum auch immer - auf den 2. Platz zurückgestuft.

Diese Rennen im Schatten der Burg Nideggen waren für den Luftkurort Nideggen ein Riesentrubel und ein gutes finanzielle Geschäft. Zu dem Rennen strömten die Menschen aus Düren, Aachen, Köln, dem Ruhrgebiet und letztlich aus ganz Deutschland an. Sämtliche Hotelbetten (mit Pensionsbetten über 300) waren ausgebucht, und die Landwirte im Umkreis verwandelten ihre Höfe in Privatpensionen und vermieteten ihre Ehe- und Kinderbetten. Die Zuschauer säumten den gesamten Streckenverlauf. Für die Presse und zahlende Zuschauer wurde an der Danzleykurve eine Tribüne aufgebaute, welche Platz für über 3000 Personen bot.

Beim Abbau der Tribüne brach diese plötzlich zusammen, und begrub einen Zimmermann aus Berg unter sich. Der Familienvater von 10 Kindern wurde am Rückgrat schwer verletzt.

Dr. Lersmacher aus Nideggen leistete erste Hilfe und sorgte für die Überführung in die heimatliche Wohnung. Da der Zustand des Patienten sich nicht besserte, wurde er am 26.06.1925 ins Krankenhaus Düren eingewiesen, wo er am 10.Juli 1925 verstarb.

Durch die vielen Unfälle und die gefährliche Streckenführung durch 7 Ortschaften wurde bald klar, dass diese Rennstrecke nicht mehr der Zeit und den sehr schnellen Rennwagen entsprach.

Man plante daher eine eigene Rennstrecke, und baute diese in der strukturarmen Gegend rund um die Nürburg. Das erste Rennen auf dem Nürburgring fand 1927 statt, und wurde gewonnen von Rudolf Caracciola.

Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

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