Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Erdbeben in Nideggen zerstören Burg und Stadt


Die stolze und starke wehrhafte Burg Nideggen galt als uneinnehmbar. Dies änderte sich jedoch schlagartig nachdem das Schießpulver erfunden wurde. So wurde sie kurzerhand nach Beschießung, von den höher gelegenen Bergen der Südostseite her, durch die Truppen Kaiser Karl V. im Jahr 1542 sturmreif geschossen. Das gleiche Schicksal ereilte sie im Jahr 1642 durch ein hessisches Heer. Im Jahr 1678 wurde die Burg von den Franzosen eingenommen und jedesmal verwüstet und weiter zerstört. Die Burg wurde von nun an nur noch von landwirtschaftlichen Bediensteten bewohnt und notdürftig für Fruchtspeicherräume, Kelterhäuser und dergleichen hergerichtet. Doch erhielt die Burg in Kriegszeiten immer noch eine kleine Besatzung von Soldaten. Aber nicht nur die Burg war stark in Mitleidenschaft genommen, sondern auch die Stadtmauer war in einem fürchterlichen Zustand. Bereits 1617 nannte der Rat der Stadt Nideggen, die Mauern und Tore verfallen und unwehrhaft. So boten sie im 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) keinen Schutz mehr. Nach dem Krieg waren die Bürger zu schwach sich selbst gegen herumziehende Räuberbanden zu wehren. Erst 1715 wurde die Stadtmauer umfassend repariert.

Aber nicht nur durch die laufenden kriegerischen Auseinandersetzungen wurde Burg und Stadt verwüstet. Als wenn dies nicht schon schlimm genug wäre, hatte sich auch noch die Natur gegen Burg, Stadt und Einwohner verschworen.

Denn weitere und große Verwüstungen richteten die nun plötzlich einsetzenden Erdbeben von 1755 bis 1766 an. Man verspürte die ersten Erschütterungen hier im Stadtgebiet von Nideggen um die Zeit des Lissabonner Erdbebens am 01.11.1755. Mit bis zu 100.000 Todesopfern allein in Portugal gehört dieses Erdbeben zu den verheerendsten Naturkatastrophen der europäischen Geschichte. Es erreichte auf der Richterskala eine geschätzte Stärke von 8,5 bis 9,0. Diese Beben nahmen hier im Nideggener Raum an Heftigkeit weiter zu.

In der Nacht vom 26. zum 27. November 1755 waren die Beben mit großem Geräusch verbunden. Das Erbeben wurde besonders laut und stark in Monschau und Nideggen gespürt und richtete großen Schaden an. Dabei wehte ein Südoststurm, welcher zuweilen von Starkregen begleitet wurde. Die Bevölkerung hatte große Angst, denn man wusste diese Naturkatastrophen nicht einzuordnen. Am 26. Januar 1756 kamen wieder gewaltige Erdstöße mit unterirdischem Brausen, die ca. eine halbe Minute andauerten. Am 18. Februar 1756 morgens gegen 8 Uhr, erfolgte ein gewaltiger Stoß, dieser dauerte solange wie man braucht, um ein „Vater unser" und ein „Ave Maria" zu beten. Schwächere Erschütterungen folgten fortwährend bis Ende August. Die Erde wollte sich einfach nicht beruhigen. Einzelne Erdstöße wiederholten sich immer wieder, bis 1760. Am 20. Januar 1760 gegen 23 Uhr waren sie so stark und so lange anhaltend, das alle meinten, sterben zu müssen. Hierbei verloren die Bewohner fast all ihre Häuser, die Stadt war fast völlig zerstört, die Burg war nur noch eine Ruine. Die Erdbeben dauerten bis 1766 an. Danach beruhigte sich die Erde wieder.

In welcher Angst mussten unsere Vorfahren leben! Man muss es sich einmal vorstellen, über elf lange Jahre immer wieder heftigste Erdbeben. Die Zerstörung der Burg beschreibt der Schultheiß Eissenberg zu Weisweiler wie folgt:

„Das große Erdbeben im Januar 1756 hat die Burg endgültig unbewohnbar gemacht. Die Mauern und Wände sind zusammengefallen. Selbst die Früchte kann man hier nicht mehr unterbringen."

Zahlen über Verletzte oder Tote in Nideggen, die es mit Sicherheit gegeben hat, sind mir jedoch nichts bekannt. 1878 erfolgte erneut ein starkes Erbeben, welches der Burg endgültig den Rest gab.

Man kann nur hoffen, von einer solchen über viele Jahre andauernden Naturkatastrophe in Zukunft verschont zu bleiben.


Quellen:
Martin Aschenbroich
Wikipedia

Rundblick Rureifel, 18. November 2011

Heimat und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

Heinz Bücker

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