Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Das Geschäftsleben in Nideggen um 1977/1978


In den Jahren 1977 und 1978 gingen die Uhren der Herzogstadt Nideggen noch anders. Zu dieser Zeit residierte im Rathaus noch ein Stadtdirektor: Herr Keldenich, sowie ein Bürgermeister: Herr Küpper. Heute werden die Amtsgeschäfte nur noch vom Bürgermeister wahrgenommen, zurzeit haben wir eine Bürgermeisterin, Frau Göckemeyer. Ein reges Treiben herrschte in dieser Zeit durch die ortsansässigen Geschäfte in der Herzogstadt Nideggen.

Da die Einkäufer aus den umliegenden Orten nicht immer weit fahren wollten, versuchten sie nach Möglichkeit in Nideggen das reichliche Angebot der Geschäfte zu nutzen. Nach den Besorgungen gönnte man sich ein Päuschen in den Lokalitäten, diese wurden auch von den Gästen/Urlaubern gerne aufgesucht.

Ich möchte mit der Gastronomie auf der historischen Burg Nideggen beginnen. Dieses Restaurant nannte man auch "Die gute Stube des Kreises Düren", es wurde von dem Ehepaar W. und A. Esser geführt. Diese Lokalität bestand aus einem großen Gastraum, der sich damals wie heute "Im Kaiserblick" nennt. Ein angrenzender kleinerer Raum, auch "Jülicher Zimmer" genannt, erweiterte die Platzmöglichkeit. Hier konnte man bei einer guten Mahlzeit, sich behaglich zurücklehnen und die herrliche Aussicht genießen. In Richtung Stadt, in der Kirchgasse, ist noch heute das Café-Restaurant Heiliger. Es befindet sich seit 1780 im Familienbesitz und ist zurzeit verpachtet. Weiter unterhalb der Kirchgasse befand sich die Metzgerei Olbrück.

Ihre Spezialität war die Eifeler Blut- und Leberwurst nach Hausschlachtungsart. Die Metzgerei am Markt, mit dem Inhaber Heinz Wimmer, hatte für den täglichen Bedarf, Fleisch und Wurstwaren, sowie Käse und weitere Köstlichkeiten im Angebot.

Suchte man ein Mitbringsel für zu Hause, so konnte es im Geschäft "Andenken aller Art" bei Charlotte Ebe, in der Kirchgasse 9, besorgt werden. Im Haus der Geschenke, Inhaber Volker Nöllgen, Zülpicher Str. 2, fand man zu jedem Anlass das richtige "Etwas". Für einen fechen Haarschnitt sorgte der Damen- und Herren-Salon HAAS, Am Markt, mit dem Slogan: Der Schnitt macht die Frisur. Der Friseursalon Gertrud Elberfeld Im Altwerk, bot außer dem Haarschnitt noch einen Saunabesuch Exquisit an. Die Ritterstube Am Markt, Inhaber Ch. Schötzau, empfahl ihre durchgehende gut bürgerliche warme und kalte Küche. Die Spezialität des Hauses waren frische Forellen. Nach einem guten Mittagessen, konnte man sich Am Marktplatz im Café Dohmen, bei einem Stück leckeren Kuchen und einer Tasse Kaffee entspannen. Auch das Café Scheeben, Zülpicher Str. 3, ältestes Café am Platze -100 Jahre-, servierte Kuchenspezialitäten mit Kaffee. Eine weitere Adresse war und ist es noch heute, das Hotel-Restaurant "Ewige Lampe" in der Bahnhofstr. 9, mit dem damaligen Besitzer Leo Kürpick, er vermietete Gästezimmer und führte eine gut bürgerliche Küche. Die Germania-Stube, von Heidi Wischmann in der Graf-Gerhard-Str., bot ebenfalls ihre "Gut bürgerliche Küche" an.

Nutzte man die Parkmöglichkeiten vor dem Zülpicher Tor, so konnte man seine Bankgeschäfte bei der Volksbank Nideggen eG., "Bank für jedermann" tätigen. Etwas weiter, durch das Zülpicher Tor, lockten schon die Angebote. Hier bot der Regro-Markt, von Felix Brzoska, sein reichhaltiges Sortiment für den täglichen Bedarf an. Mit einer italienischen Eisspezialität, sowie einer heißen Tasse Expresso oder Cappuccino, fühlte man sich in der Eisdiele bei Mirella und Giorgio wohl. Benötigte man neue Schuhe oder mussten die alten zur Reperatur, war man bei GOSWIN BEERETZ,Schuhwaren und Reperaturen richtig. Das Geschäft bestand schon seit 1927 und wurde von 1980 bis 1997 von seinem Sohn Heinz Beeretz mit seiner Gattin übernommen und weitergeführt. In der "Marktklause" bekam man vom Wirt D. Götze, Warsteiner Pils und Becks vom Fass ausgeschänkt. Im Hause bot man "Tags und Nachts" Mietwagen an, das war wohl des Öfteren vonnöten. Getränke, alle Sorten vom Sprudel bis zum Bier, konnten bei den Brüdern Hugo Baur und Julius Baur eingekauft werden. Hugo Baur hatte seinen Getränkegroßhandel in der Zülpicher Str., vor dem Zülpicher Tor. Sein Bruder Julius Baur, betrieb seinen Getränke-Groß- und Einzelhandel in der Kermeterstraße 5. In der Graf-Gerhard-Str. führte Frau Maria Neidhöfer einen "Gemischtwarenladen", sowie eine "Lotto-Annahmestelle". Mit Abgabe des Lottoscheines erhoffte man sich den großen Treffer. Wo kaufte man sein Obst und Gemüse täglich frisch? Natürlich bei Inge Zimmermann Im Altwerk 15. Lebensmittel, Schreib- und Kurzwaren waren auch im Angebot, sowie Tiefkühlkost gut und preiswert. Die Nideggener Geschäfte wurden von Bernd Naas, aus Nideggen-Berg beliefert. Er fuhr mit seinem Frischewagen und reichlichem Sortiment, wie Butter-Eier-Käse usw., seine Kundschaft an. Im Blumenhaus und Gartenbaubetrieb Schleuter, wurden die Blumensträuße nach eigenen Vorstellungen und Wünschen gefertigt. Hier war auch die richtige Adresse für die Bepflanzung eines Gartens. Der Betrieb besteht seit ca. "100 Jahren" und wird heute von dem Geschwisterpaar Schleuter geführt.

Stand eine Renovierung an, so wandte man sich an den Malermeister Soens. Sein Geschäft hatte er "Am Tor" (Dürener Tor). Malermeister Soens führte sämtliche Malerarbeiten und Beschriftungen aus. Der Malerbetrieb Förster bietet schon seit ca. 1883/125 Jahren seine Dienstleistungen an. Der Betrieb wird jetzt in der vierten Generation geführt.

In der Bahnhofstr. nahm er seinen Anfang, danach hatten die Försters ihre Wirkungsstätte "Im Altwerk 17". In der Tischlergasse befand sich die "Schreinerei Bernd Müller". Hier nahm man die Kundenwünsche für einen Innenausbau gerne entgegen. So wurden zum Beispiel Holzdecken besonders gefertigt, sowie auch diverse Einbauschränke usw. Entschied man sich für wärmegedämmte Türen und Fenster, so ging man zu ROLLADEN MÜLLER GmbH, Hindenburgstr. 3. Hier bot man die Fenster sowie Türen aus Aluminium an. Eine gute optimale Beratung für die Heizkostenersparnis gehörte ebenfalls dazu. Ging es um eine sanitäre Einrichtung, sowie um einen fachgerechten Einbau der Heizungsanlage, begab man sich zur Firma Franz Elberfeld, in die Heimersteinerstraße.

Was wären die langen Abende und die Freizeit ohne Radio und Fernsehgerät. Hatte man sich zum Kauf eines Gerätes entschlossen, so war Funk-Fernseh HALLMANN KG, Bahnhofstr. 7, der richtige Ansprechpartner. Zum ausgesuchten Gerät erhielt man auch noch das passende Zubehör. Für die Lebensdauer der Automobile war der KFZ-Mechaniker-Meister Manfred Wergen, Zülpicher Str., vor dem Zülpicher Tor zuständig. Hier konnte man sich auch einen FIAT zulegen. Einen VW oder Audi konnte bei August Klinkhammer, Im Altwerk 27, gekauft werden.

An seiner BP-Tankstelle wurde direkt der Tank aufgefüllt. Jetzt blieb nur noch die Frage, wo geht man abends hin? Zum dancing nach Nideggen ins "Come in". Dieses Tanzlokal befand sich Im Altwerk, gegenüber der BP-Tankstelle. Hatte man Durst und Lust auf ein zünftiges Bier, führte kein Weg an der Kneipe "Zum Deutschen Haus" vorbei. Hier widmet sich der Wirt Bernd Johnen, damals wie heute, aufmerksam seinen Gästen. Auf seiner Bundeskegelbahn ließ er schon mal "Alle Neune" grade sein.

Auf meiner Erinnerungstour von 1977/78, hoffe ich, soweit "alles" erwähnt zu haben und bedanke mich bei den Ureinwohnern von Nideggen für die Infos.

Rundblick Rureifel, 1. Juli 2011

Margot Klinke
Mitglied des Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e. V.

© Copyright