Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die ausgeliehene Glocke von Nideggen (Berg)


Heute möchte ich die Geschichte von der ausgeliehenen Glocke erzählen.

In den Kriegswirren des 2. Weltkrieges wurden viele Glocken zwecks Herstellung von Bomben eingeschmolzen, so auch die von Nideggen. Damit die Nideggener Bürger jedoch nicht vollkommen auf das Glockengeläut verzichten mussten; wurde von der Pfarrei St. Clemens, in Berg, die mittlere Glocke nach Nideggen ausgeliehen.

Diese Glocke wurde im Jahr 1401, von Johan Vusel gegossen und hatte ein Gewicht von ca. 420 kg, sowie einen Durchmesser von 0,906 Meter.
Auf Grund von Kriegseinwirkungen stürzte der Turm der Pfarrkirche Nideggen in sich zusammen und mit ihr die alte Glocke aus Berg. Dabei wurde diese irreparabel zerstört und als Torso auf den Friedhof zu Berg neben dem Kriegerdenkmal aufgestellt.

In einem Gutachten vom 24. März 1975 heißt es zu dieser Glocke:
Von der Krone sind drei der sechs Bügel abgebrochen und gingen verloren, die übrigen, sowie der Mittelstock sind am Ansatz abgeplatzt, so dass sie vollends abzubrechen drohen. Zahlreiche weitere Risse verzweigen sich kreuz und quer über die Kronenplatte, Haube, Schulter und Flanke bis in den Untersatz des Glockenkörpers. Ein sehr großes Segment ist aus dem Obersatz bis zum Kronenansatz hinaufreichend ausgebrochen, dieses Teil blieb unauffindbar.

Bei diesem ungewöhnlich großen Ausmaß der Schäden ist eine gebrauchsfähige Wiederherstellung mit vollkommener Wiedererweckung des Klanges durch autogenes Schweißen leider nicht mehr möglich.

Selbst als Torso ist die Glocke ein außerordentlich kostbares Dokument, das als Denkmal weiter erhalten werden muss!

Da bei ihrem jetzigen Standort die Gefahr eines Diebstahls nicht auszuschließen ist, muss überlegt werden was zur Sicherung getan werden kann. Hierzu eine Anregung: Wäre es nicht möglich, der Glocke eine künstlerisch gestaltete Schale aufzusetzen, diese dann als Taufbecken im Kirchenraum aufzustellen. So bliebe sie der Gemeinde mit guter Zweckbestimmung und als Erinnerung an eine überaus schreckliche Zeit erhalten.

Leider geschah nichts! So verschwand im Jahr 2002 die Glocke vom Friedhof. Es ist nicht bekannt wohin, Fragen hierzu konnte in Berg keiner beantworten. Eine Rückfrage beim Bistum ergab, das die Glocke sich noch immer auf dem Friedhof befände. Da war man doch sehr erstaunt, da sie bereits mindestens seit einem Jahr verschwunden ist.

Diese Glocke läutete für die Groß- und Urgroßeltern, zu einer Zeit als der Glaube noch Berge versetzte.

Die Glocke überlebte viele geschichtliche Ereignisse, zum Beispiel:
1517 Martin Luther veröffentlicht die 95 Thesen – Beginn der Reformation.
1618 Fenstersturz zu Prag. – Beginn des 30jährigen Krieg.
1648 Der Westfälische Friede – Ende des 30jährigen Krieg.
1789 Französische Revolution.
1794 Französische Truppen besetzen Köln und Bonn (Rheinland).
1914-1918 Erster Weltkrieg.
1939-1945 Zweiter Weltkrieg. Die Glocke wird zerstört.
1949 Adenauer wird zum ersten Kanzler gewählt. Das Grundgesetz der Bundesrepublik tritt in Kraft.

Es ist doch etwas Erregendes und Schönes zu wissen, das in der Kirche, in der unsere Vorfahren getauft, gebetet und letztlich für sie die Totenmesse gehalten wurde, uralte Glocken läuteten. Leider blieben die Bemühungen die uralte Glocke wieder zu erhalten erfolglos.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e. V.

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