Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die Nidegger Hochzeit



Heute möchte ich von einer Hochzeit, die vor langer Zeit in Nideggen stattfand, berichten. Angelehnt nach einer Erzählung vom Autor Paul Weitershagen.

Der Junge Graf von Jülich und die Schwester des Grafen von Monschau hatten sich gern, doch sie konnten zueinander nicht kommen. Der Monschäuer mochte den Jülicher nicht, jeder anderer Schwager wäre ihm recht gewesen.

Die Jahre vergingen, den Sinn des Monschäuers änderte nichts. In dieser Zeit wurde das Band der Liebenden im enger, beide beschlossen, endlich aus der Gewalt des Monschäuers zu fliehen. Eines Tages war es dann soweit. Der Jülicher erfuhr von einem Vertrauten, über eine längere Abwesenheit des Monschäuers von seinem Schloss, er möge auf Gertrud, an der schon vor langer Zeit, verabredeten Stelle warten. Der junge Graf machte sich mit seinem Pferd sofort auf dem Weg, hielt sich in der Nähe des Schlosses versteckt. Kaum das es dunkel war, stand Gertrud neben ihm. Er hob sie auf sein Pferd und in der Frühe, ritt er mit ihr in den Burghof von Nideggen ein.

Lange blieb das Versteck dem Monschäuer nicht verborgen, eines Morgens stand er mit seinem Mannen vor Nideggen und forderte seine Schwester zurück. Der Jülicher ließ ihm ausrichten: Wollt Ihr unsere Hochzeit genehmigen, so werden wir beide kommen. Eure Schwester kehrt alleine niemals mehr zurück.

Da ließ der Monschäuer die gewaltigen Mauern der Burg stürmen, er schloss den Burgkegel dicht mit Wachen ein, versuchte die Burgleute auszuhungern. So vergingen Tage und Wochen. Der Jülicher wartete, dass dem Monschäuer die Geduld vor den uneinnehmbaren Mauern verginge, der Monschäuer hoffte, dass der Hunger das Burgtor öffnet und die Geflüchtete in Reue zurückkehrt. Um den Belagerten den Mund wässrig zu machen, schickte der Monschäuer ihnen eines Tages eine gebratene Katze vors Tor und ließ ausrichten: „Guten Appetit zum Leckerbissen“. Sein Erstaunen war groß, als ihm ein lebendiger Hase mit der Antwort überbracht wurde: „Die Belagerten dankten ihm mit einem besseren Geschenk; gebratene Katzen bekommen in Nideggen nur die Hunde“. Als der Monschäuer feststellte, das er mit erstürmen der Mauern und des Tores, trotz des Versuches die Burgbewohner auszuhungern, nichts erreichte, gab er seinen Starrsinn und die Belagerung auf. Er stimmte nun der Hochzeit zu.

Der Jülicher führte seinen Schwager durch die Befestigung der Burg, zeigte ihm die Türme und Mauern, innen das dicke Gemäuer und den Gang, der sie vor Hunger und der Erstürmung geschützt hat. Danach reichte er dem Monschäuer die Hand, der schlug freudig ein, als wären sie schon immer die dicksten Freunde gewesen.

Heutzutage kann man sich das „Ja- Wort“ auf der romantischen, historischen Burg des Mittelalters, im Bergfried geben.

Margot Klinke
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e. V.



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