Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Kaiser Wilhelm II. zu Besuch in Nideggen


Nideggen putzt sich heraus und eine freudige, erwartungsvolle Atmosphäre hängt über dem Ort. Ein einmaliges Ereignis hatte sich angekündigt. Nideggen bekam hohen, sehr hohen Besuch.

Anlässlich einer Rundreise durch das Rheinland besuchte Kaiser Wilhelm II. am Freitag dem 19. Oktober 1906 Nideggen. Vorher hatte er die Urfttalsperre eröffnet. Diese galt damals als der größte europäische Stausee.

Der ganze Ort (Nideggen hatte damals keine Stadtrechte) war geschmückt und beflaggt. Die Kinder hatten schulfrei und gearbeitet wurde auch nicht. So stand die gesamte Nideggener Bevölkerung in ihren besten Sonntagskleidern und wartete geduldig auf den Kaiser. Die meisten versammelten sich zwischen Marktplatz und dem Dürener Tor, das mit einem Triumphbogen und dem Reichsadler geschmückt war. Der Kaiser hatte 1904 dem Kreis Düren, welcher Eigentümer der Burg war und ist, 15.000 Mark für den Wiederaufbau der Burganlage gespendet und wollte sich nunmehr ein Bild über den Verlauf der Renovierungsarbeiten machen. Mit lautem Jubel und donnerndem Hurra wird die Fahrzeugkolonne des Kaisers begrüßt die durch das Dürener Tor durchfährt und am Marktplatz anhält. Der Kaiser gefolgt von seinem zweiten Sohn Prinz Eitel Friedrich, geht mit seinem weiteren Gefolge von hier aus zu Fuß durch die Kirchgasse, welche für die Bürger gesperrt wurde, hoch zur Burg.

Er war von der herrlichen und atemberaubenden Aussicht über das Rurtal so begeistert, das er laut "Kolossal" ausrief. Der Kaiser hielt sich über 20 Minuten auf der Burgruine auf. Schon damals wurden von den mitreisenden Reportern die Aufenthaltszeiten gemessen. Zwanzig Minuten, solange verweilte er auch in der Stadt Monschau.

Die Dürener Zeitung wusste am 22. Oktober 1906 über die Weiterfahrt des Kaiser mit seinem Gefolge folgendes zu berichten:

Kaiser Wilhelm passierte am verflossenen Freitag von Nideggen kommend unseren festlich beflaggten Ort (Berg vor Nideggen) in einem weißen Fiat-Kraftwagen, dem sich noch sechs weitere Automobile anschlossen. Böllerschüsse kündeten das herannahen des Kaisers an und mit einem kräftigen Hurra wurde er von den herbeigeeilten Bewohnern begrüßt. Zwischen Berg und Wollersheim hatte sich der hiesige Kriegerverein und die Veteranen, sowie der Gesangsverein Liedertafel und die Schulkinder mit ihren Fahnen aufgestellt und bildeten Spalier. Sie begrüßten den im gemäßigtem Tempo vorbeifahrenden Kaiser mit begeisterten Hurra, worauf die Spielleute „Heil dir im Siegerkranz" intonierten.

Dieses geschah vor 105 Jahren und war für die Bevölkerung ein unvergessliches Erlebnis.

Wenn wir heute im Fernseher die Bilder aus England sehen, wie dort die Queen bejubelt wird, können wir uns in etwa vorstellen, was für eine Freude und Jubel in Nideggen herrschte.

Rundblick Rureifel, 23. September 2011

Heimat und Geschichtsverein
Nideggen e.V.
Heinz Bücker

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