Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Die Rurbrücke in Nideggen - Brück


Seit alters her führte über die Rur, unterhalb von Nideggen, eine Brücke. Die Fahrbahn war aus Holz und auf drei steinernen Pfeilern erbaut Sie gehörte zur Stadt Nideggen.

Der Verlauf war etwas anders als heute – wesentlich tiefer zur Rur hin - und führte zur Entstehung des Ortes Brück. Die Brücke war verkehrsmäßig und wirtschaftlich sehr wichtig, da eine viel befahrene Handelsstraße, nämlich die Frankfurter Straße, hier hinüber führte. Diese kam von Malmedy über Monschau, Imgenbroich, Nideggen und führte weiter über Zülpich und Köln, von hier aus nach Frankfurt. Über diese bedeutende Handelsstraße wurden die Erzeugnisse der Malmedyer Gerber, der Monschauer Tuchhändler und der Imgenbroicher Fabrikanten transportiert. Ein nicht unerheblicher Fruchthandel aus der Eifel in das Rheintal wurde ebenfalls über diese Straße abgewickelt. Wein und andere Güter wurden in die Gegenrichtung befördert.

Im Winter des Jahres 1565 wurde durch Hochwasser die Brücke stark beschädigt und mußte erneuert werden. Da dies mit hohen Kosten verbunden war und die Stadt Nideggen dies aus eigenen Mitteln nicht stemmen konnte, erhielt die Stadt Nideggen 1569 von Herzog Wilhelm das Privileg eine Brückensteuer zu erheben. Von dieser Steuer waren die Bewohner der Stadt Nideggen befreit. In einer Steuerliste wurde festgelegt, wer was zu zahlen hatte. So mußte für die Überquerung eines Pferdefuhrwerkes, welches Früchte, Wein oder Wolle geladen hatte, 6 Heller gezahlt werden. Für ein beladenes Pferdefuhrwerk mit Holz oder Kohle, zahlte man 8 Heller. Ein Schwein oder Schaf kostete 2 Heller, ein Fußgänger 1 Heller. Ein Reiter musste 8 Heller entrichten.


Postkartenansicht 1923_Foto: Archiv

Das vereinnahmte Wegegeld reichte jedoch nicht zum Unterhalt der Brücke aus, zumal die damals ungezähmte Rur immer wieder Hochwasser führte, welches die Brücke aufs neue beschädigte. So wurde 1644 die Brücke durch Hochwasser komplett zerstört und mußte neu aufgebaut werden.

Aber auch diese Brücke trieb im Winter 1720-1730 ab und mußte aus den Fundamenten neu aufgebaut werden.

Am 14. Oktober 1764 aber wurde sie durch plötzlich anschwellen des Wassers bis in den Grund zerstört, zwei steinerne Pfeiler wurden umgeworfen und der dritte Pfeiler stark beschädigt, sodass das ganze Holzwerk abermals abtrieb. Da man aber die Brücke für den Vertrieb der Waren aus dem Monschauer Land unbedingt benötigte, wurde der Kurfürst um Erhöhung des Wegegeldes ersucht. Des weiteren bat man ihn, die Steine der verfallenen Burg und des Dürener Stadttores zum Brückenbau nutzen zu dürfen. (Burg und Stadttor wurden durch die Erdbeben im 18. Jahrhundert stark beschädigt, – siehe hierzu auch der Artikel im Rundblick vom 18.11.2011).

Dieser Bitte wurde stattgegeben und somit wurde 1765 das Wegegeld erhöht und die Steine der Burg und des Dürener Tores zum Brückenbau verwendet.

Da die Stadtkasse völlig leer war, sah die Stadt sich gezwungen, zusätzlich Kapitalien in Höhe von 5.000 Reichstalern aufzunehmen.

Nun war diese Brücke ja nicht nur mit Kosten für die Stadt Nideggen verbunden, sondern bedeute einen großen wirtschaftlichen Vorteil, da in den Wirtshäusern in Nideggen - Brück und in Nideggen täglich zwischen 20 bis 30 Fuhrleute übernachteten, welche nicht nur Pensionskosten für sich, sondern auch für die Zugpferde oder Zugochsen zahlen mußten.

Im Jahr 1777 beschloß der Landtag den Ausbau der Frankfurter Straße. Der Verlauf der Straße sollte beibehalten bleiben. Obwohl die Arbeiten schon begonnen hatten, wurde durch intensive Bemühungen des Magistrat der Stadt Düren, die Richtung zum Vorteil von Düren geändert. Sie führte nunmehr über Düren und überquerte hier die Rur.

Dies bedeutete natürlich einen herben finanziellen und wirtschaftlichen Verlust für die Stadt Nideggen., den Gastronomiebetrieben und deren Beschäftigten. Somit verlor die Brücke in Nideggen ihre große Bedeutung. Die Brückensteuer wurde jedoch noch bis 1815 erhoben.

Heinz Bücker
Heimat- und Geschichtsverein
Nideggen e.V.

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