Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Ausgrabungen in der Kirche St. Clemens, Nideggen - Berg
Mitte September 2011



Im Zuge von Ausschachtarbeiten in der Clemenskirche zu Berg, zwecks Einbau einer Heizungsanlage, wurden archäologische Maßnahmen durchgeführt. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist dies gesetzlich vorgeschrieben. Diese Arbeiten wurden der Firma Goldschmidt, Archäologie und Denkmalpflege, Düren übergeben. Grabungsleiter war Hans Arnold Glasmacher.

Es konnte sich jeder interessierte Bürger über den Verlauf der Untersuchungen informieren, zumal man auf Fragen immer eine sachkundige und freundliche Antwort erhielt. Bei diesen Arbeiten wurden Reste des hochmittelalterlichen Vorgängerbaus freigelegt, dokumentiert sowie archäologisch untersucht. Hierbei stieß man auf ein Steinplattengrab. Diese Grabstätte lag direkt am Fundament der Südseite der ursprünglichen Kirche.

Es stellt sich zum jetzigen Zeitpunkt so dar, dass man auf diese Grabanlage bereits um 1500, also beim Erweiterungsbau der Kirche stieß und mit brachialer Gewalt das Grab öffnete. Hierbei wurde der Arm - wahrscheinlich mit einem Spaten - abgetrennt. Man öffnete also das Steingrab um einen Blick in dieses zu werfen und evtl. Grabbeilagen zu entnehmen. Anschließend wurde die Grabstätte wieder mit Bauschutt zugeworfen.

Dieses Grab wurde jetzt neu entdeckt. Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Beerdigungsstätte eines Christen, da die Ausrichtung West - Ost und es sich darüber hinaus um eine Streckbestattung handelt. Das Alter lässt sich so nicht bestimmen, aber wahrscheinlich wurde es kurz nach dem Bau der ursprünglichen Hallenkirche, also um 1100 angelegt.

Unter dem Boden der Sakristei wurden zwei Schädel - davon zumindest ein Frauenschädel - gefunden. Vermutlich wurden diese in einer Holzkiste, welche verrottet ist, (Eisenbeschlagteilen und Eisennägel die dabei gefunden wurden, deuten darauf hin) begraben. Die beiden Schädel stammen aus einer alten Bestattung und wurden unter dem Boden der Sakristei wieder neu bestattet. Der Grund dieser erneuten Bestattung ist nicht bekannt. Hier kann man nur Vermutungen anstellen. Warum beerdigt man zwei Schädel und zwar erneut und diesmal unter dem Boden der Sakristei? Die Frage ist schon berechtigt. Des Weiteren stieß man fortlaufend auf weitere Skelettteile, so dass man davon ausgehen muss, dass innerhalb der Kirche vom hohen Mittelalter an, wohl bis ins 19 Jahrhundert, Bestattungen stattfanden. Es war Sitte, dass in jener Zeit Verstorbene aus besseren Gesellschaftsschichten in der Kirche bestattet wurde. Der "Normalsterbliche" war natürlich von derartigen Privilegien weit entfernt und hatte sich mit dem Friedhof - immerhin schon geweihter Grund und Boden - zufrieden zu geben. Interessant ist natürlich die Frage wieviel Personen in der Kirche beerdigt wurden.

Jetzt spekuliere ich einmal:

- Wenn man aber davon ausgeht, daß über ca. 900 Jahre Beerdigungen in unsrer Kirche stattfanden und nur jedes 2 Jahr jemand aus den „Besseren Kreisen" hier beerdigt wurden kommt man schon auf 450 Bestattungen, die wahrscheinlich jedoch auf Grund der hohen Sterblichkeitsrate bedingt, durch Seuchen, mangelhafte Ernährung und den laufenden kriegerischen Auseinandersetzungen höher liegen. -

Die Fundamente der Seitenschiffe sind lediglich Gussfundamente, ohne Mörtel welche zu klein dimensioniert sind und dürfte somit als Hauptgrund der Schiefstellung der Seitenschiffe anzusehen sein. Diese Gussfundamente deuten auf eine sehr ärmliche Zeit hin.

Aus geschichtlichen und archäologischen Gründen, (gab es vor der Steinkirche hier ein Holzkirche?, einen Odinshain?, stand hier vorher ein Römische Villa? denn immerhin fand man im Bodenbereich römische Ziegelsteine) sollte man die Grabungen eigentlich fortsetzen, denn so könnte man mit Sicherheit noch viel über die Geschichte der Kirche und den Ort Berg vor Nideggen erfahren.

21. Oktober 2011

Heimat und Geschichtsverein
Nideggen e.V.
Heinz Bücker

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