Heimat- und Geschichtsverein Nideggen e.V. von 1988





Zur Geschichte der Stadt Nideggen

Aufstieg und Verfall der Stadt Nideggen sind eng mit der Geschichte der Grafen und späteren Herzöge von Jülich verknüpft. Nach ständigen Fehden mit den mächtigen Kölner Erzbischöfen während des 13. Jhdts. können die Jülicher ihre Machtansprüche schließlich 1290 durch Heirat mit einer Nichte des Erzbischofs absichern.


Marktplatz mit Steinkreuz - Foto: Archiv

1313 verleiht Graf Gerhard Nideggen die Stadtrechte. Das bedeutet Befreiung von allen Steuern, eine eigene Gerichtsbarkeit, eigene Verwaltung und freies Holz- und Weiderecht. Damit will der Graf eine Vergrößerung der Einwohnerzahl zur Stärkung der Verteidigungskraft der strategisch wichtigen Burg erreichen. Ansonsten bietet die Lage der Stadt kaum einen Anziehungspunkt. Die Stadt Nideggen ist verkehrsmäßig schwer zu erreichen, ohne fruchtbares Hinterland und die Brunnen innerhalb der Stadtmauern sind nicht ständig mit Wasser gefüllt.

Blick vom Clemensstock - Foto: Heinz Bücker

1330 beginnt man mit dem Bau der städtischen Befestigungsanlagen, innerhalb derer Bewohner der alten Burgfreiheit (rund um die Pfarrkirche) umsiedeln und Neubürger sich niederlassen. In ihrer Blütezeit im 14. und 15. Jhdt. hat die Stadt etwa 700 bis 800 Einwohner.

Bergfried und Mauer - Foto: Archiv

Als das Jülicher Herzogsgeschlecht ausstirbt, wird die Residenz des neuen Besitzers -des Herzogs von Cleve, Jülich und Berg- nach Düsseldorf verlegt.

In der Jülicher Fehde wird die Stadt und Burg Nideggen 1542 von Karl V. entsetzlich zerstört. Im Zeitalter der Feuerwaffen bietet die Befestigungsanlage von Stadt und Burg keinen Schutz mehr und eigene Geschütze lassen sich in der Enge nicht aufstellen. Adlige, Beamte und die Geistlichen des Johanniterordens ziehen weg. Ihnen folgen die Handwerker.

1573 wird ein letzter Versuch unternommen, die wirtschaftliche Attraktivität der Stadt wiederherzustellen. Es wird das Privileg dreier Jahrmärkte gewährt.

Die ständigen Kriege des 17. und 18. Jahrhundert: 1609 - Jülicher Erbfolgekrieg, 1618 bis 1648 - Dreißigjähriger Krieg, 1673 bis 1679 - Kriege Ludwigs XIV, ab 1701 - Spanischer Erfolgskrieg, ab 1740 - Österreichischer Erbfolgekrieg.


Burg, Bergfried - Foto: Archiv

1794 Französischen-Österreicher Krieg lassen die Bevölkerung nicht zur Ruhe kommen. Was nicht durch Kriege zerstört wird, fällt 1756 einem Erdbeben und 1795 einem Großfeuer zum Opfer. Zum Ende des Dreißigjährigen Krieges werden nur noch 40 Haushalte gezählt. 1794 verliert Nideggen unter den Franzosen schließlich noch seine Stadtrechte.

Zerstörte Stadt Nideggen - Foto: Archiv

Erst mit Beginn der Preußischen Herrschaft 1815 beginnt endliche eine längere Friedenszeit. Den Titel Stadt erhält Nideggen 1926 zurück.

Im letzten Krieg wird die Stadt noch einmal schwer zerstört. Nur 11 % der Gebäude bleiben unversehrt. Die Westfront setzt sich 1944 im Hürtgenwald fest und der Bergfried wird Artilleriebeobachtungsstand, weshalb Stadt und Burg unter intensiven Beschuß geraten.


Rurbrücke in Brück - Postkarte: Archiv

Schließlich wird 1945 auch noch die Brücke in Brück durch amerikanische Fliegerbomben zerstört.


Marktplatz mit Rathaus und Linde, Blick zum Zülpicher Tor - Foto: Ulrich Laube

Der Wiederaufbau beginnt bald. Die früheren Fachwerkhäuser werden vor allem durch Häuser aus dem Rurtal anstehendem Bundsandstein ersetzt. Nach der Erneuerung des Wasser- und Kanalnetzes wird die Pflasterung des Marktplatzes und einiger Innen- ortssraßen im alten Stil durchgeführt. Ihren vorläufigen Abschluß finden diese Arbeiten mit der Umgestaltung der Zülpicher Straße zur Fußgängerzone im Jahr 1989.




© Copyright