Im Badewald
Grab aus der Eisenzeit gefunden

Siedlung hatte ihre Grundlage im Bergbau - Reiche Kolonisten förderten Brauneisenstein - Suche nach Windöfen





Berg bei Nideggen. - Bei den Ausgrabungen im Badewald wurde in der vergangenen Woche ein Grab aus der Eisenzeit gefunden. Man entdeckte die Bestattungsurne zehn Zentimeter unter dem Estrich des großen gallorömischen Siedlungshauses, das man rechts des Feldweges, der durch das Ausgrabungsfeld führt, freilegte. Dr. von Petrikovits, der Leiter der Ausgrabungen, sieht in der ganzen Anlage auf dem Hügel des Badewaldes den Hüttenbetrieb eines reichen Galliers. Aus einem unweit gelegenen Bruch wurden - das haben Schnittgrabungen ergeben - bereits in jener Zeit Brauneisengesteine und wahrscheinlich auch Blei abgebaut. Der bekannte Geologe Dr. Voigt entdeckte bei Untersuchungen des Erdreichs auch Blei. Dr. von Petrikovits mutmaßt, daß sich auf dem Gelände auch die Schmelzöfen zur Gewinnung des Metalls befanden. Die Grabungen, die noch weiter fortgeführt werden sollen, werden vielleicht Aufschluß darüber geben. Der Dürener Geschichtsverein besuchte am Mittwochnachmittag bei schönem Sonnenwetter das Ausgrabungsgelände. Er wurde von Dr. von Petrikovits durch das Gelände geführt und mit den siedlungsgeschichtlichen Problemen der Funde vertraut gemacht.

Das Wetter begünstigte mit Sonnenschein die Exkursion des Dürener Geschichtsvereins, die Dürener Bodenpfleger Gerhards führte. Ein Bus der Kreisbahn brachte die Mitglieder - unter ihnen auch Oberstadtdirektor Dr. Brückmann - zum Hochgelände des Badewaldes. Vor den Baracken der Grabungsleitung im kleinen Wäldchen unmittelbar neben den Fundstellen, stellte der Vorsitzende des Dürener Geschichtsvereins, Dr. Keßler, den Teilnehmern der Fahrt den Leiter der Ausgrabungen, Dr. von Petrikovits vom Bonner Landesmuseum vor. Der Ausgrabungsleiter sagte seinen Gästen, daß es ihm bei der Führung mehr auf die siedlungsgeschichtlichen Probleme als auf technische Einzelheiten ankomme.

Wohnhaus und Tempel

Zu Beginn der Führung gab Dr. von Petrikovits Erläuterungen über das Siedlungshaus, dessen Keller man gut erhalten vorfand. Nach den bisherigen Funden kann man die Ausmaße des ungewöhnlichen großen Hauses rekonstruieren, doch legten Grabungen an verschiedenen Stelle nicht die erwarteten Steinfundamente des Fachwerkhauses frei. In den nächsten Wochen will man die Fundstellen an dieser Stelle wieder zuschütten und dann jenseits des Feldweges weiter graben.

Den gallo-römischen Tempel, den man unweit der ausgedehnten Hausanlage fand, zählt Dr. von Petrikovits nach seinen Ausführungen zu einem Typus, wie er von anderen Funden aus dem ehemaligen Wohngebiet der Kelten oder Gallier in mehreren hundert Exemplaren bekannt ist. Man fand auch den Torso einer keltischen Gottheit, doch läßt sich nicht sagen, um welche der vielen von den Galliern verehrten Göttinnen es sich handelt.

Eisenzeitgrab mit Beigaben

An einer dritten Grabungsstelle fand man ein weiteres Wohnhaus, das über einem Steinsockel aus Fachwerk aufgeführt war und für dessen Anlage, Form und Gestaltung aus der Geschichte keine unmittelbaren Parallelen bekannt sind. Nach den Erklärungen, die Dr. von Petrikovits den Mitgliedern des Geschichtsvereins gab, handelt es sich um keinen spezifischen mittelmeerländischen-römischen Bau. Das Mauerwerk ist nicht sehr sorgfältig ausgeführt und der Bau litt wohl später auch, da er teilweise auf wenig festem Grund stand. Bei einer Schnittgrabung innerhalb des Hauses stieß man in der vergangenen Woche auf eine eisenzeitliches Grab, das etwa in die Zeit um 500 vor Chr. datiert wird. Es handelt sich um eine bauchige Urne, die einen Durchmesser von 30 cm hat und gut zehn Zentimeter unter dem Estrich des Hauses steht. Die enthielt vier Beigaben in kleineren Gefäßen, einige Knochenreste und etwas Asche. Zwischen der Zeit, in der man die Urne mit ihrem Inhalt der Erde anvertraute und jener Epoche, in der man das Haus drüber baute, liegt nach der Meinung der Sachverständigen ein halbes Jahrtausend. Nur der Nachlässigkeit des späteren Hausbauers ist es zu „verdanken“, daß die Urne nur zehn Zentimeter unter dem Estrich des Hauses unentdeckt blieb.

Zum Abschluß des Rundganges durch das Grabungsgelände auf dem Badewald führte Dr. von Petrikovits seine Gäste zu einer Senke, die mit ihrer offenen Seite dem Westen zugewendet ist. Schnittgrabungen ergaben, daß es sich um einen Steinbruch handelte, aus dem bereits zur Zeit, aus der die Funde stammen, Brauneisenstein gebrochen wurde. Die Spuren deuten darauf hin, daß es sich um einen reichen gallischen Siedler handelte, der das metallhaltige Gestein im Tagebau brach und schürfte. Da in der römischen Zeit alle Bergrechte dem Kaiser gehörten und man von seinen Statthaltern und Vertretern in den Provinzen die Bergbaurechte um 50 Prozent des Ertrages erwerben mußte, ist anzunehmen, daß die Ausbeute recht ansehnlich war. Dr. von Petrikovits schließt weiter, daß man das Gestein nicht weit transportierte, sondern ganz in der Nähe in Windöfen schmolz und das nicht sehr wertvolle Eisen verarbeitete. Der Wind, der auch am Mittwoch stark über die Höhen blies, hatte wohl auch damals schon seine Aufgabe. Er entfachte als „himmlischer Blasebalg“ das Feuer in den Windöfen. Sie seien, so sagte Dr. von Petrikovits, wohl in einiger Entfernung vom Wohnhaus zu suchen. Verschiedene Anhaltspunkte für ihre Existenz gebe es. Von weiteren Grabungen erwarte man mehr Gewißheit. Mit den Funden der Besiedlung aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus „hat ein gütiges Schicksal uns den Schlüssel in die Hand gegeben, um die Eifel mehr erschließen zu können.“

Auf der Rückfahrt besuchten die Fahrtteilnehmer noch die Nideggener Kirche, deren Innengestaltung allgemeine Zustimmung fand.


Auf dem Ausgrabungsgelände im Badewald erklärt Dr. von Petrikovits den Mitgliedern des Dürener Geschichtsvereins die Ueberreste der Tempelanlage.

(DN-Foto: Dörr)





Quelle: Dürener Nachrichten Nr. 222 vom 24. September 1954
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