Weitere Badewald-Ausgrabungen waren erfolgreich
Fundamente beheizter römischer Bauten wurden freigelegt - Wissenschaftliche Auswertung steht noch aus - Keramikfunde deuten auf Wirtschaftsgebäude





Berg vor Nideggen, 11. Juni (Eigener Bericht).

Die weiteren archäologischen Ausgrabungen im Badewald, zu denen der Kreis Düren die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt hatte, waren von Erfolg gekrönt. Unter der örtlichen Grabungsleitung des technischen Assistenten Jentsch vom Bonner Landesmuseum wurden unmittelbar an der sogenannten Eisenstraße, die durch den Badewald verläuft, die Fundamente eines beträchtlichen Gebäudekomplexes freigelegt, dessen Räume teilweise die aus Zülpicher Funden schon bekannte Heizungsanlage aufweisen. Die Bonner Sachverständigen datieren die Anlage etwa in das zweite oder dritte Jahrhundert nach Christus. Im Grabungsgebiet gemachte Keramikfunde lassen darauf schließen, daß es sich um römische Wirtschaftsgebäude handelt, die offenbar im Zusammenhang mit einer römischen Gutsanlage stehen. Vor Monatsfrist wurde inmitten einer gerodeten Waldfläche, etwa hundert Meter vom jetzigen Fundort entfernt, der erste Tempelbau aus römische Zeit im Kreise Düren freigelegt. Die wissenschaftliche Auswertung der ganzen Badewaldfunde, die vor allem den Zusammenhang aller jetzt freigelegten römischen Anlagen klären soll, steht noch aus.

Die neuen Funde im Badewald haben die vor einem Monat vom römischen Archäologen des Bonner Landesmuseums, Dr. von Petrikowits, geäußerte Vermutung bestätigt, daß die jetzt gerodete Hochfläche des Badewaldes am Fuße des Rödelsberges bedeutsame römische Siedlungsreste birgt. Auch die augenblicklich durchgeführte Spatensuche steht unter seiner Leitung und wird unter Aufsicht des technischen Angestellten Jentsch von vier Arbeitern gemacht. Schon beim ersten Suchschnitt stieß man auf die Fundamente eines 4,20 mal 4,10 Meter großen Raumes, dessen Boden aus festem Estrich besteht. Die größte Ueberraschung aber war die Freilegung einer Heizungsanlage unter diesem Raum, deren 16 Paar Hypercaust-Säulen noch leidlich erhalten waren. Unmittelbar an diesen Raum anschließend besaß das römische Gebäude einen fast gleich großen Raum, der allerdings nicht beheizt war. Die mit Kalkmörtel festgefügten Mauern des Hauses reichen bis in die Mitte der Jahrhunderte alten Straße und liegen ganz dicht unter dem Straßenniveau. Die über die Gebäudereste führende Straße, die vermutlich in großen Zügen der alten Römerstraße Venlo - Cröv folgt, wurde vor etwa 120 Jahren durch Umlegungen begradigt und ist dabei offenbar ohne Wissen der damaligen Straßenbauer direkt über die römische Siedlung geführt worden.

Jünger als der Tempelbau

Weitere Ausgrabungen an dieser Stelle müssen das Ausmaß der Anlage und seinen Charakter noch endgültig festlegen. Schon jetzt ist an den sauber freigelegten Grundrissen zu sehen, daß sich das Gebäude an beiden Seiten noch weiter ausdehnt. Tief in die Erde gehende Mauern lassen vermuten, daß ein Teil der Bauanlage auch unterkellert war. Anhand der zahlreichen Keramikfunde, eines Webgewichtes, vieler Topfscherben, Teilen von Schalen und kunstvoll gebrannten Gefäßen, die in einer Abfallgrube in drei Siedlungsschichten aufeinanderlagen, läßt sich mit Sicherheit vermuten, daß es sich bei dem Gebäude um Wirtschaftsräume handelt. Inwieweit sie mit der hundert Meter weiter freigelegten Tempelanlage aus gallo-römischer Zeit in Zusammenhang steht, ist noch ungeklärt. Die Wirtschaftsgebäude sind etwa 100 bis 150 Jahre jünger als der seltene kultische Bau.

Klassisches Beispiel für römische Bauanlagen

Die Ausgrabungen im Badewald haben das lebhafte Interesse der Bevölkerung im Nideggen-Berger Raum gefunden. Zahlreich ist der Besuch, den die Ausgraber tagtäglich an ihrer Grabungsstelle haben. Die Fundstelle ist geradezu ein klassisches Beispiel für römische Bauanlagen und ein Beweis für die hohe Baukunst, die auch bei den ländlichen römischen Bauten entwickelt wurde. Die Heizungsanlage ist genau zu erkennen. Von einer tiefer gelegenen Feuerungsstelle (man fand große Mengen Holzkohlereste) ging die heiße Luft unter dem Fußboden des Raumes und durch Tonkanäle, die in die Wände eingebaut waren, um den ganzen Raum. Die Mauern des Gebäudes bestehen aus der sogenannten Mauerstickung als festes Fundament im Boden, dem darüber liegenden Sockel und dem eigentlichen Maueraufbau.

Zum Abschluß der Grabungsarbeiten, der etwa in acht Tagen zu erwarten ist, soll noch ein weiterer Grabungsschnitt am Tempelbau gemacht werden, der die wissenschaftliche Auswertung der gesamten Grabung erleichtern soll.


Die weiteren Grabungen im Badewald förderten etwa 100 Meter von dem vor einem Monat freigelegten Gallo-römischen Tempelbau die Fundamente römischer Wirtschaftsgebäude aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christus zu Tage. Auf unserem Bild ist die Heizungsanlage eines dieser Räume deutlich zu erkennen. In dieser Grube wurden 16 Paar gut erhaltene Hypercaust-Pfeiler gefunden, die das typische Zeichen einer römischen Heizungsanlage sind. Der jetzt aufgefundene Gebäudekomplex zieht sich bis in die Mitte der mittelalterlichen sogenannten „Eisenstraße“ hinein, die offenbar in großen Zügen der alten römischen Straße Venlo - Cröv folgt.

(Foto Schmitz)





Quelle: Dürener Zeitung Nr. 135 vom 12. Juni 1954
Sammlung wingarden.de
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